Während der Corona-Krise haben sich mehr gepeinigte Kinder und meist weibliche Opfer häuslicher Gewalt an die Gewaltambulanz in Heidelberg gewandt. Lockdowns verbannen Familien und Paare in die eigenen vier Wände. Was dort an Übergriffen passiert, kommt selten zutage. «Untersuchungen finden vom Neugeborenen bis hin zum Hochbetagten in allen Altersgruppen statt», sagt die Leiterin der Ambulanz, Kathrin Yen. Sie hatte schon früher darauf hingewiesen, dass Kinder sich bei geschlossenen Kitas und Schulen nur in ihrem häuslichen Umfeld bewegen, wo Erzieherinnen, Lehrkräfte, Verwandte oder Nachbarn ihre Verletzungen nicht wahrnehmen können.
Die von der Uniklinik Heidelberg, dem Sozialministerium und künftig auch den Kommunen finanzierte Heidelberger Ambulanz ist die einzige ihrer Art im Südwesten: Opfer von Gewalt können sich unmittelbar nach der Tat an die rund um die Uhr besetzte Anlaufstelle wenden, um ihre Verletzungen - auch ohne Anzeige - dokumentieren zu lassen. Die rasche Sicherung der Spuren - etwa Sperma - ist wichtig, weil sie 24 Stunden später kaum noch nachgewiesen werden können.