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20210203044834

Pandemie erinnert Virologen Streeck an Thesen von Sigmund Freud

04:47
03.02.2021
Die gefühlte Ohnmacht vieler Menschen angesichts der Corona-Pandemie lässt den Virologen Hendrik Streeck in großen historischen Zusammenhängen denken. «Manchmal kommt es mir vor wie die vierte Kränkung der Menschheit. Freud hat das formuliert: Die ersten Kränkungen waren, dass der Mensch doch nicht im Mittelpunkt des Universums steht, dass wir irgendwie vom Affen abstammen und dass wir triebgesteuert sind», sagte Streeck der Deutschen Presse-Agentur. «Gerade kränkt uns, dass wir als technologisierte Gesellschaft nicht Herr über dieses kleine Virus werden.» Die notwendige Souveränität, damit umzugehen, sei noch nicht erlernt worden.

Streeck, Direktor des Instituts für Virologie am Uniklinikum Bonn, hat ein Buch über die Corona-Pandemie und seine Erlebnisse geschrieben. Vielfach hat er kritisiert, dass es an längerfristigen Plänen mangle, mit der Pandemie umzugehen. «Momentan hangeln wir uns von Verordnung zu Verordnung», sagte er der dpa.

(dpa)

WHO-Team besucht Labor in Wuhan - Spekulationen um Ursprung des Virus

04:47
03.02.2021
Internationale Experten haben in der chinesischen Stadt Wuhan ein Forschungszentrum besucht, das im Mittelpunkt von Spekulationen über den Ursprung des Coronavirus steht. Die Visite im Wuhan Institut für Virologie (WIV) gilt als ein Höhepunkt der Ermittlungen der Fachleute im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Gemeinsam mit chinesischen Kollegen wollen die Experten herausfinden, wo das neuartige Sars-CoV-2-Virus ursprünglich herkam.

Das Labor ist eine führende Einrichtung unter Chinas Akademie der Wissenschaften. Es forscht mit Coronaviren von Fledermäusen, die als Ursprung für die Pandemie verdächtigt werden. So war spekuliert worden, dass das Virus vielleicht auch aus dem Labor entwichen sein könnte, was die chinesische Seite aber energisch bestritten hat.

(dpa)

Studie: Rolle des Wetters bei Corona-Verbreitung nicht unterschätzen

04:46
03.02.2021
Saisonale Wetterbedingungen spielen zyprischen Forschern zufolge eine unterschätzte Rolle beim Verlauf der Corona-Pandemie. Deshalb sollten Wetterdaten stärker in Modelle zur Ausbreitung des Virus einbezogen werden, schreiben Dimitris Drikakis und Talib Dbouk von der University of Nicosia in Nikosia (Zypern) im Fachmagazin «Physics of Fluids». In ihrer Arbeit erweiterten sie ein klassisches Modell zum Pandemieverlauf um einen Index, der Luftfeuchtigkeit und -temperatur sowie Windgeschwindigkeit berücksichtigt.

Weltweit kämpfen Regierungen mit Maßnahmen zur Virus-Eindämmung gegen die Corona-Pandemie: Geschäfte, Veranstaltungsstätten und Schulen werden geschlossen, soziale Kontakte werden beschränkt, Reiseverbote erlassen. «Diese Lösungen sind nur nützlich, um das Entwicklungstempo der Gesamtzahl neu infizierter Personen zu verlangsamen», schreiben die Forscher. Sie gehen davon aus, dass eine zweite Welle «unumgänglich» ist, aber durch Lockdown-Maßnahmen gedämpft werden kann.

«Bei Pandemien, bei denen keine massiven und wirksamen Impfungen verfügbar sind, sollte die Regierungsplanung längerfristig sein, indem Wettereffekte berücksichtigt und die Richtlinien für öffentliche Gesundheit und Sicherheit entsprechend gestaltet werden», wird Dbouk in einer Mitteilung des Fachmagazins zitiert.

Gemeinsam mit Drikakis erweiterte er ein klassisches Ausbreitungsmodell, das den weiteren Pandemieverlauf unter anderem auf Basis der Übertragungsrate prognostiziert.

Den Forscher zufolge hängt die Übertragungsrate auch von den Wetterbedingungen abhängt. Luftfeuchtigkeit, Temperatur und Windgeschwindigkeit bestimmen demnach beispielsweise, welche Erregerkonzentration winzige Speicheltröpfchen aufweisen, wie lange sie sich in der Luft halten und wie weit sie sich ausbreiten können. So seien hohe Temperaturen im Sommer für die Übertragung des Virus eher schlecht.

«Nationale Lockdowns oder groß angelegte Lockdowns sollten nicht auf kurzfristigen Vorhersagemodellen basieren, die die Auswirkungen des jahreszeitlich bedingten Wetters ausschließen», betont Drikakis. Er und Dbouk sind zuversichtlich, dass ihr Index dazu beitragen könnte, manch strengen Lockdown, der sich nachteilig auf alle Aspekte des Lebens und der Weltwirtschaft auswirkt, zu vermeiden.

(dpa)

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