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Spahn sieht noch "harte Wochen der Knappheit" beim Impfstoff

04:46
02.02.2021
Trotz des angekündigten Nachschubs der Hersteller sieht Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) keine schnelle Entspannung bei den Corona-Impfstoffen. Beim «Impfstoff-Gipfel» sei allen Teilnehmern klargeworden, dass es in diesem ersten Quartal bis in den April hinein noch «harte Wochen der Knappheit» geben werde, sagte Spahn am Montagabend in den ARD-«Tagesthemen». «Das lässt sich nicht schneller beschleunigen, übrigens auch mit Geld nicht», hätten die Hersteller klargemacht. Geld sei nicht der begrenzende Faktor. Erst im zweiten Quartal werde es nennenswert mehr Impfstoff geben.

Die Hersteller produzierten gerade von der Hand in den Mund. «Die Rohstoffe kommen an, sie werden produziert, es geht direkt in die Auslieferung. Da ist kein Lagerbestand», sagte Spahn. In einer solchen Phase könne jede kleine Pumpe, die ausfalle, gleich zu einer Verzögerung führen, die die Bürger sehr schmerzhaft erlebten, wenn Impftermine nicht angeboten werden könnten. Der Gesundheitsminister sagte, dass jeder, der geimpft werden wolle, im Sommer seine erste Impfung bekommen solle. Spahn erinnerte daran, dass etwa beim Astrazeneca-Impfstoff neun bis zwölf Woche bis zur zweiten Impfung vergehen sollen.

Der Minister machte deutlich, dass er wenig von einer erzwungenen Zusammenarbeit von Herstellern hält, um Impfstoff-Mengen zu steigern. «Es wird ja viel kooperiert und immer mehr kooperiert.» Freiwillige Kooperationen und Technologie-Transfers seien besser als jeder Zwang. «Zwang in aller Regel kann nur so viel erreichen wie gute Kooperation», sagte Spahn weiter.

Biontech-Chef Ugur Sahin sagte in den «Tagesthemen», die Hersteller seien in einer Ausnahmesituation. «Wir sind selbst davon abhängig, dass die Zulieferer uns Materialien liefern», erklärte er. «Wir haben auch keine vollen Lagerstätten. Alles, was wir produzieren, wird de facto sofort ausgeliefert.» Wenn es zu einer Verzögerung komme wegen eines Problems, schlage das sofort durch. «Dementsprechend können wir gar nicht anders, als dass wir kurzfristige Veränderungen auch nur kurzfristig kommunizieren können.»

(dpa)

Corona erschwert Kampf gegen Afrikanische Schweinepest

04:45
02.02.2021
Nicht erst seit dem Auftreten der Afrikanischen Schweinepest in Ostdeutschland sind Jäger auch in Baden-Württemberg bemüht, die Wildschweinbestände in Schach zu halten. Jedoch erschwere die Corona-Pandemie den Einsatz ein wenig, sagte der Hauptgeschäftsführer des Landesjagdverbands, Erhard Jauch.

Zwar hat das Ministerium für Ländlichen Raum «Bewegungsjagden zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung», zu denen der Kampf gegen die Tierseuche zählt, unter Hygieneauflagen auch in Lockdown-Zeiten erlaubt. Sogar zwischen 20.00 und 5.00 Uhr dürfen Jäger einzeln unterwegs sein. Die nächtlichen Ausgangsbeschränkungen gelten nach Angaben des Ministeriums nicht, wenn ihr Einsatz der Tierseuchenprävention oder der Vermeidung von Wildschäden dient.

Aber auf sogenannte Drückjagden, bei denen Tiere gezielt aus dem Unterholz getrieben werden, mit Teilnehmern aus mehreren Revieren hätten die meisten angesichts der Pandemie verzichtet, erklärte Jauch. Auch der logistische Aufwand für größere Jagden sei aufgrund der Hygienevorgaben gestiegen. Zudem fehle das «gesellige Element».

«Aber der Jagdbetrieb war durchaus möglich», sagte Jauch. Wie viele Wildschweine die Jäger im Südwesten in der laufenden Saison erlegt haben, konnte er noch nicht sagen. Die Zahlen stehen erst im Frühjahr fest. Im Jagdjahr 2019/20 erfasste die Wildforschungsstelle des Landes 74 683 Wildschweine, die erlegt wurden, bei Verkehrsunfällen verendeten oder tot gefunden wurden - ein Plus von 56 Prozent.

Für Wildschweine gilt - mit Ausnahme von weiblichen Tieren, den Bachen, mit Nachwuchs, den gestreiften Frischlingen - darüber hinaus eine kürzere Schonzeit. Sie startet nach derzeitiger Planung erst ab März, während sie für andere Tiere schon ab 16. Februar gilt.

Die Afrikanische Schweinepest wurde von Afrika nach Europa eingeschleppt. Betroffen waren lange Zeit Länder wie Polen, Bulgarien und Rumänien. Seit Herbst sind auch Fälle in Sachsen und Brandenburg aufgetreten. Die Krankheit führt bei Wild- und Hausschweinen häufig nach kurzer Krankheit zum Tod. Es gibt keine Impfstoffe dagegen. Für Menschen ist das Virus aber ungefährlich. Sorge bereiten vor allem mögliche Handelsbeschränkungen für Schweinefleisch durch Drittländer.

Wie das Landratsamt Rastatt jüngst mitteilte, haben die Schwarzwildbestände in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich zugenommen. Das liege unter anderem am reichhaltigen Nahrungsangebot für Wildschweine, immer milder werdenden Wintern und daran, dass in Folge des Klimawandels Waldbäume immer früher Früchte bildeten. Damit nähmen aber auch die Schäden zu, die das sogenannte Schwarzwild in der Landwirtschaft und auf Streuobstwiesen anrichtet.

Vor allem aber mit Blick auf die Schweinepest sei die Jagd auf Wildschweine und die Regulierung der Schwarzwildpopulation «wichtiger denn je», hieß es. «Gleichzeitig stehen die Jäger zunehmend vor schwierigen Herausforderungen.» Neben den Einschränkungen durch die Corona-Pandemie besuchten viel mehr Menschen den Wald als sonst, was die Ausübung der Jagd ebenfalls erschwere. Wichtig sei, dass die Menschen auf den vorgegebenen Wegen blieben und die Tiere nicht in ihren Verstecken aufscheuchten, sagte Jauch vom Landesjagdverband.

In der letzten Zeit hätten es die Jäger zudem mit zwei gegenläufigen Effekten zu tun gehabt: Einerseits habe es im Herbst viele Eicheln und Bucheckern gegeben. «Das freut die Schweine natürlich saumäßig, die Jäger umso weniger», sagte Jauch. Die Tiere kämen dann nicht zu Futterplätzen. «Da kannst du so viel Mais hinstreuen, wie du willst.» Ab Dezember habe dann der Schnee die Jagd erleichert, weil die dunkelbraunen Tiere wegen des Kontrasts besser zu erkennen seien.

Das Ministerium hat zudem unter anderem seit fast drei Jahren ein Projekt mit Saufängen initiiert, um zu prüfen, wie man im Seuchenfall schnell, aber tierschutzgerecht viele Wildschweine fangen kann. Auf diese Weise seien schon Dutzende Tiere gesammelt und erlegt worden, heißt es in einer Antwort auf einen Antrag der AfD im Landtag. Aktuell gebe es aber keinen Anlass für einen landesweiten Einsatz.

(dpa)

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