Letztes Update:
20210115060431

Mehr Traueranzeigen in Zeitungen zu Corona-Zeiten

06:03
15.01.2021
Seit Ausbruch der Corona-Pandemie veröffentlichen deutsche Zeitungen zeitweise mehr Traueranzeigen als gewöhnlich. Der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) hat seine Anzeigenumfang-Statistiken bis einschließlich Oktober 2020 eingesehen und teilte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur das Ergebnis mit: «Danach gibt es in den "Corona-Monaten" April, Mai, September und Oktober tatsächlich einen signifikanten Anstieg bei den Familienanzeigen gegenüber dem Vorjahr. Das ist ungewöhnlich und beruht vermutlich in der Tat auf einer gestiegenen Anzahl von Todesanzeigen.»

Fragt man bei Verlagen direkt nach, dann deckt sich dieses Bild. Bei der «Süddeutschen Zeitung» gibt es derzeit einen moderaten Anstieg von Traueranzeigen, wie ein Sprecher der Südwestdeutschen Medienholding (SWMH) mitteilte. Bei der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» war es bislang so: 2020 gab es einen leichten Anstieg. Verglichen mit dem Durchschnitt der Vorjahre waren es etwa sechs Prozent mehr, wie der Verlag mitteilte. «Hierbei treten Spitzen in den Monaten April und Mai sowie im Zeitraum Oktober bis Dezember auf und sind somit deckungsgleich mit den "Hochmonaten" der Corona-Pandemie.» Die genauen Gründe für den Anstieg seien einerseits nicht zu verifizieren; «andererseits könnte diese Erkenntnis als Indiz für einen durch Corona verursachten Anstieg interpretiert werden.»

Die «Sächsische Zeitung» verzeichnet zurzeit ebenfalls ein erhöhtes Volumen an Traueranzeigen. Die DDV Mediengruppe zählte auf dpa-Anfrage einige Beispiele auf: Am vergangenen Samstag seien es drei Seiten in der Ausgabe Dresden gewesen, normalerweise seien es eine bis zwei. In der Lokalausgabe Löbau/Zittau kamen fünf Seiten zusammen, sonst seien es maximal drei.

Die Mediengruppe betonte zugleich: «Allerdings wäre es unsererseits reine Spekulation, das ausschließlich auf Corona zu beziehen, da uns die Hintergründe des Ablebens schlicht nicht bekannt sind und generell nur in seltensten Fällen in der Anzeige genannt werden.» Möglicherweise spiele auch die Tatsache, dass derzeit Beerdigungen nur unter strengen Auflagen und Beschränkungen stattfinden könnten, eine Rolle. Die Mediengruppe ergänzte, dass die Zeitung eventuell deshalb wieder stärker genutzt wird, «um über eine Anzeige einen größeren Kreis über das Ableben informieren zu können».

(dpa)

Alle externen Inhalte nachladen?
Datenschutzerklärung
nachladen