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Industrie gegen strengere Vorgaben für mehr Homeoffice

10:39
12.01.2021
Die deutsche Industrie lehnt strengere Vorgaben der Politik für mehr Homeoffice ab. Der neue Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Siegfried Russwurm, machte am Dienstag deutlich, der Einsatz von Homeoffice müsse von den Betriebsparteien vor Ort entschieden werden.

Die Industrie appelliere an alle Unternehmen, das Thema Homeoffice soweit wie möglich zu nutzen, sagte Russwurm. «Und ganz viele tun das auch.» Die Entscheidung darüber, was gehe und was nicht gehe, welche Arbeitsplätze dauerhaft im Homeoffice sein könnten, wo es richtig sei, ab und zu mal wieder zurück ins Büro zu kommen und welche Arbeitsplätze schlichtweg nicht von zuhause zu erledigen seien, wisse aber niemand besser als die Betriebsparteien vor Ort. Das «Schweißen aus dem Homeoffice» habe noch niemand erfunden.

In der Debatte um mehr Homeoffice zur Eindämmung der Corona-Pandemie war zuletzt der Druck auf die Wirtschaft gestiegen. Sowohl Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) als auch CSU-Chef Markus Söder kündigten Gespräche mit Unternehmen an, um mehr Möglichkeiten für Beschäftigte zu erreichen, von zu Hause zu arbeiten. Söder hatte auch konkrete Zielvorgaben ins Spiel gebracht.

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt hatte gefordert, die Wirtschaft bei der Bekämpfung der Pandemie stärker in den Fokus zu nehmen. Bund und Länder hätten bei Einzelhandel, Kultur und Schulen zwar harte Maßnahmen ergriffen. Für große Bereiche der Wirtschaft gebe es aber kaum verpflichtende Regeln.

(dpa)

Heimstiftung verärgert über Impfkonzept

10:17
12.01.2021
Die Evangelische Heimstiftung hat der grün-schwarzen Landesregierung schwere Versäumnisse beim Schutz besonders gefährdeter Menschen in Pflegeheimen vor dem Coronavirus vorgeworfen. Das Gesundheitsministerium müsse endlich ein umfassendes Schutzkonzept in der Corona-Verordnung verankern. «Dazu gehören strengere Regeln beim Testen sowie mehr Tempo und proaktive Konzepte beim Impfen», forderte Bernhard Schneider, Hauptgeschäftsführer der Stiftung, am Dienstag in Stuttgart. Eine umfassende Teststrategie sei bis auf weiteres das «einzig wirksame Schutzschild gegen das Virus». Doch davon sei die neue Verordnung weit entfernt. Die Evangelische Heimstiftung ist nach eigenen Angaben das größte Pflegeunternehmen im Südwesten, zu dem unter anderem 86 Pflegeheime gehören.

«Alle Besucher und Mitarbeiter, also alle Personen, die ein Haus betreten, müssen unmittelbar vorher einen Schnelltest machen und während des Aufenthaltes eine FFP2-Maske tragen», verlangte Schneider. Zwar komme jetzt für alle Besucher die Testpflicht und die FFP2-Maske. «Doch der Test muss nicht am Tag des Besuchs und auch nicht vor Ort gemacht werden», bemängelte Schneider. «Sollen wir mit Coronaleugnern diskutieren, ob ein Test von gestern ausreicht?» Er warnte: «Da wird eine Sicherheitslücke aufgemacht, die sehr riskant und unnötig ist.»

Schneider mahnte zudem eine Testpflicht für Pflegemitarbeiter an. Doch das Ministerium richte zunächst eine neue Taskforce ein, um das zu beraten. «In vielen Fällen sind es Mitarbeiter, die das Virus in die Häuser schleppen», erklärte der Hauptgeschäftsführer.

Auch von der Impfkampagne ist die Stiftung enttäuscht. «Wir hatten nach dem Maskendesaster vom Frühjahr gehofft, dass die Impfkampagne besser läuft, sehen uns aber wieder enttäuscht», sagt Schneider. Heime werden zwar vorrangig geimpft, aber das gehe langsam und sehr bürokratisch zu. Von den 86 Pflegeheimen der Stiftung seien allenfalls 30 Prozent mit der ersten Impfung versorgt worden.

Zudem würden die etwa 300 000 älteren Menschen im betreuten Wohnen, in der Tagespflege und Pflegebedürftige zuhause noch nicht mitgeimpft. «Für diese Menschen erkenne ich noch keine überzeugende Strategie», monierte Schneider.

Er forderte zudem die Landesregierung auf, rasch die Frage zu beantworten, wie man mit Pflegepersonal umgehen solle, das sich nicht impfen lassen wolle. Für geimpfte Mitarbeiter müsse es Erleichterungen etwa beim Testen und beim Maskentragen geben.

(dpa)

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