Letztes Update:
20210110103233

10:31
10.01.2021
Sturm auf das US-Kapitol, Corona-Pandemie und Kirchenpolitik: Der Vatikan muss sich mit vielen Themen auseinander setzen. In einem Interview verriet Papst Franziskus auch, worüber schon länger gerätselt wurde.

Corona-Impfung und Chaos in den USA: Papst Franziskus hat sich zu den aktuellen Weltgeschehnissen geäußert - und bekannt gegeben, sich im Vatikan gegen Covid-19 impfen zu lassen. «In der kommenden Woche werden wir anfangen, das hier zu machen und ich bin auch dafür vorgemerkt», sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche in einem für Sonntagabend zur Ausstrahlung geplanten Interview mit dem Fernsehsender Tg5, aus dem zunächst ein Teil als Abschrift verbreitet wurde und der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag vorlag. Mit Blick auf die Corona-Impfung betonte der Papst, dass sich aus ethischer Sicht alle impfen lassen müssten, denn man spiele nicht nur mit seinem Leben, sondern auch mit dem Leben anderer.

Franziskus verwies im Zusammenhang mit dem Thema Impfen auf seine Kindheit. Damals hätten viele Kinder mit der Krankheit Polio Lähmungen davon getragen. Die Menschen hätten einen Impfstoff herbeigesehnt. Es habe so viele verzweifelte Mütter geben, erzählte Franziskus weiter.

Nach diese Krise sei man mit Impfstoffen etwa gegen Masern aufgewachsen. «Ich verstehe nicht, warum manche sagen: Nein, der Impfstoff ist gefährlich», sagte der Pontifex. «Es gibt da eine selbstmörderische Verweigerung, die ich nicht erklären kann, aber man muss sich heute impfen lassen», betonte er.

In dem Interview ging es nach Angaben des Fernsehsenders auch um das Thema Abtreibung, wie sich das Leben des Papstes durch das Coronavirus veränderte und um ein aktuelles Politik-Thema: die chaotischen Szene in der US-Hauptstadt Washington am vergangenen Mittwoch. Franziskus verurteilte die Gewalt beim Sturm auf das Kapitol, wie in einem Ausschnitt des Interviews vorab zu sehen war. Diese Vorgänge seien abzulehnen, sagte er. Es gebe immer Menschen, die einen Weg gegen die Gemeinschaft, gegen die Demokratie und gegen das Gemeinwohl einschlagen.

Der Pontifex sei über die Ereignisse in Washington erstaunt gewesen und mahnte, aus einem Fall wie diesem zu lernen. «Gott sei Dank platzte das auf und man kann gut sehen, weshalb», sagte er weiter. «Wir müssen daraus lernen, das nicht zu wiederholen und aus der Geschichte lernen», ergänzte er. Solche Gruppen seien nicht gut in die Gesellschaft integriert. Früher oder später komme es zu einem solchen Gewaltausbruch.

Trump-Anhänger hatten am Mittwoch im politischen Zentrum Washingtons gegen die Zertifizierung der Präsidentschaftswahlergebnisse demonstriert. Einige drangen gewaltsam in das Kapitol ein. Die Abgeordneten mussten ihre Sitzungen abrupt unterbrechen, die Parlamentssäle wurden geräumt.

(dpa)

Britischer Experte: Kliniken könnten in wenigen Wochen kollabieren

10:30
10.01.2021
Der medizinische Chefberater der britischen Regierung hat vor einem Kollaps des Gesundheitssystems innerhalb weniger Wochen gewarnt. Großbritannien verzeichnet derzeit immer neue Rekorde bei Corona-Neuinfektionen und Todesfällen. «Wenn das Virus so weitermacht, werden Krankenhäuser in echten Schwierigkeiten sein, und zwar bald», schrieb Chris Whitty in einem Gastbeitrag in der «Sunday Times». Das könne schon in weniger als drei Wochen der Fall sein.

Die Wartezeit für eine Behandlung der Patienten werde sich auf ein potenziell gefährliches Niveau erhöhen, so der Medizinprofessor. Das Verhältnis von Krankenhauspersonal zu Patienten werde inakzeptabel werden. Der Gesundheitsdienst sei in manchen Teilen des Landes derzeit der gefährlichsten Lage seit Menschengedenken ausgesetzt. «Es wird Todesfälle geben, die vermeidbar gewesen wären.»

Verantwortlich für die rasche Ausbreitung machen die Regierung und Mediziner unter anderem eine neue, wohl noch ansteckendere Virus-Variante, die in Teilen des Landes grassiert. Doch auch die Einhaltung der Regeln zur Eindämmung des Virus hat nachgelassen. Whitty rief die Menschen daher dringend auf, zuhause zu bleiben. «Jede unnötige Interaktion, die sie haben, könnte das Glied in einer Kette von Übertragungen sein, an deren Ende eine gefährdete Person steht», erklärte der Mediziner.

Besonders schlimm ist die Situation in London. Dort hatte Bürgermeister Sadiq Khan am Freitag den Katastrophenfall ausgelöst. Die Sieben-Tages-Inzidenz liegt dort inzwischen bei mehr als 1000. Das ist die Anzahl der Ansteckungen innerhalb einer Woche pro 100 000 Einwohner.

Am Samstag hatte die Anzahl der nachweislich mit dem Coronavirus infizierten Toten die Marke von 80 000 überschritten. In Wirklichkeit dürften es noch mehr sein. Rechnet man die aktuellsten Zahlen zusammen mit den Sterbefällen, die per Totenschein in einen Zusammenhang mit Covid-19 gebracht werden, liegt die Zahl bei 95 000.

(dpa)

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