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Schweden billigt Pandemiegesetz - stärkere Corona-Maßnahmen möglich

10:55
08.01.2021
Die schwedische Regierung hat sich mit einem neuen Pandemiegesetz die Möglichkeit für weitreichendere Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus gesichert. Der Reichstag in Stockholm stimmte am Freitag für das Gesetz. Es tritt am Sonntag in Kraft und bedeutet in der Praxis, dass die Regierung umfassendere Corona-Maßnahmen als bisher erlassen kann, wenn sie dies für notwendig erachtet. Bislang sind die Schweden in der Corona-Krise einen vielbeachteten Sonderweg gegangen.

Die schwedische Strategie hatte bisher auf verhältnismäßig freizügige Empfehlungen sowie Appelle an die Vernunft der Bürger gesetzt. Das Pandemiegesetz ermöglicht es der Regierung und den Behörden nun, zum Beispiel Geschäfte, Einkaufszentren, Fitnessstudios oder andere Einrichtungen zu schließen oder es Menschen zu verbieten, sich in größeren Gruppen zu versammeln. Das Gesetz gilt vorläufig bis September 2021.

Sozialministerin Lena Hallengren hatte am Freitagmorgen klargemacht, dass der Hauptzweck des Gesetzes nicht sei, Einrichtungen zu schließen. Vielmehr wolle man viel spezifischere Beschränkungen vornehmen können, um Gedränge an verschiedenen Orten zu vermeiden. Wer eindeutig gegen solche Maßnahmen verstoße, riskiere ein Bußgeld, sagte Hallengren im Morgenstudio des Senders SVT.

Schweden hat derzeit im Vergleich zum übrigen Europa wieder relativ hohe Corona-Zahlen. Die Anzahl der Neuinfektionen in den vergangenen 14 Tagen war auf die Bevölkerung heruntergerechnet etwa zweieinhalb Mal so hoch wie in Deutschland. Bereits in der ersten Corona-Hochphase im Frühjahr hatten die Schweden im Vergleich zum Rest Skandinaviens und zu Deutschland deutlich höhere Infektions- und Todesfallzahlen verzeichnet.

(dpa)

Wegen Corona: Europas Handballer wollen keine WM-Zuschauer

10:12
08.01.2021
Wenige Tage vor dem Auftakt der Handball-WM formiert sich in Spielerkreisen ein heftiger Widerstand gegen die geplante Zulassung von Zuschauern bei der Endrunde vom 13. bis 31. Januar in Ägypten. «Die europäische Spielergewerkschaft E.H.P.U. hat am Mittwoch im Namen der Kapitäne und aller Spieler der europäischen Nationalmannschaften ein Schreiben an den ägyptischen Weltverbandspräsidenten Hassan Moustafa verfasst, mit der dringenden Bitte, während der WM auf Zuschauer zu verzichten», sagte Deutschlands Torwart-Routinier Johannes Bitter dem «Hamburger Abendblatt» (Freitag).

In dem Schreiben, aus dem der «Mannheimer Morgen» zitierte, heißt es unter anderem: «Wir sind äußerst besorgt über die Corona-Situation und die Entscheidung, dass die Zuschauer an den Spielen teilnehmen dürfen. Unsere Besorgnis hat aufgrund der jüngsten Eskalation in den europäischen Ländern zugenommen. Für uns hat dies Bedenken hinsichtlich des Turniers ausgelöst.»

Die Kapitäne der europäischen WM-Teilnehmer, darunter neben Uwe Gensheimer auch Dänemarks Weltmeister-Torwart Niklas Landin und Domagoj Duvnjak aus Kroatien vom THW Kiel, appellierten an IHF-Boss Moustafa. Er soll «prüfen, ob dies der sicherste Weg ist, die Meisterschaft zu organisieren» und wie die Zuschauerzulassung bei den Spielen organisiert weden könne, «um das Blasenkonzept für die Mannschaften aufrecht zu erhalten. Wir empfehlen dringend, dieses Thema zu überdenken.»

Derzeit plant der Ausrichter mit einer Auslastung der Hallenkapazitäten von 20 Prozent. Die Vorrundenspiele der DHB-Auswahl gegen Uruguay, Kap Verde und Ungarn in Gizeh könnten somit bis zu 1040 Fans live verfolgen. «Vor Zuschauern zu spielen ist nicht nur wegen der zusätzlichen Gesundheitsrisiken absurd, auch angesichts der Lage in unseren Heimatländern, in denen die Menschen ihre Wohnungen möglichst nicht verlassen sollen und unsere Spiele nur Familienkreise im Fernsehen verfolgen können», kritisierte Bitter das Konzept.

Auch Julius Kühn bezeichnete den Plan als ein falsches Signal mitten in der Coronavirus-Pandemie. «Eigentlich sollte man sagen, ich freue mich, jetzt wieder vor Zuschauern zu spielen, aber aufgrund der aktuellen Lage bin ich auch nicht begeistert davon», sagte der Rückraumspieler von der MT Melsungen. Die deutsche Mannschaft absolviert ihre WM-Generalprobe in der EM-Qualifikation gegen Österreich am Sonntag in Köln vor leeren Rängen.

(dpa)

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