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Türkei bezieht chinesischen Impfstoff - Zweiwöchige Testphase

09:13
30.12.2020
Die Türkei hat einen Impfstoff der chinesischen Firma Sinovac erhalten. Ein Flugzeug mit der Ladung sei am frühen Mittwochmorgen in Ankara angekommen, teilte Gesundheitsminister Fahrettin Koca auf Twitter mit. Nach einer zweiwöchigen Testphase wolle man mit den Impfungen bedingen. Wie viele Dosen angekommen sind, teilte Koca nicht mit. Ursprünglich hatte die Türkei 50 Millionen Dosen des chinesischen Impfstoffs bestellt, zudem will sie weitere Dosen von Biontech und Pfizer beziehen.

In dem Land mit rund 83 Millionen Einwohnern sollen nach Angaben von Koca zuerst Mitarbeiter im Gesundheitswesen geimpft werden. Nach Angaben der Ärztevereinigung TTB sind seit Beginn der Pandemie 310 Ärzte und Pflegekräfte an oder mit Covid-19 gestorben. Die Impfung ist nicht verpflichtend. Der Impfstoff von Sinovac befindet sich in der Endphase der Entwicklung und hat noch keine Zulassung in China. Zur Zulassung in der Türkei äußerte sich Koca nicht.

Die Türkei registrierte am Dienstag nach offiziellen Angaben rund 15 800 Neuinfektionen an einem Tag, 253 Menschen sind demnach an oder mit Covid-19 gestorben. Die offizielle tägliche Fallzahl war zuletzt rückläufig, Mitte Dezember lag sie noch bei rund 30 000 Neuinfektionen in 24 Stunden. Die Opposition und die Ärztevereinigung wirft der Regierung mangelnde Transparenz vor und, dass sie das Ausmaß der Pandemie im Land verschleiere. Insgesamt hat das Land rund 2,2 Millionen Infektionen und rund 20 400 Tote im Zusammenhang mit Covid-19 registriert.

(dpa)

Lauterbach: Infektionsgrenzwert 50 ist zu lasch

08:05
30.12.2020
Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hält in der Corona-Pandemie die Orientierung am Infektionsgrenzwert 50 für zu leichtsinnig. Der Mediziner sprach sich am Mittwoch für einen Grenzwert unter 25 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner und Woche aus. 50 ist der Grenzwert, an dem sich Bund und Länder als Zielmarke orientieren, weil davon ausgegangen wird, dass die Gesundheitsämter bis zu dieser Größenordnung noch Infektionsketten verfolgen können und die Lage beherrschbar bleibt. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts vom Mittwochmorgen liegt dieser Wert derzeit bei 141,3. Auch eine Reihe internationaler Experten hat bereits einen niedrigeren Orientierungswert gefordert.

Lauterbach begründete seine Forderung mit der Gefahr weiterer Mutationen des Coronavirus, nachdem bereits aus Großbritannien eine veränderte Virusvariante nach Deutschland gekommen ist. «Wenn die Fallzahlen hoch bleiben, wird diese gefährliche Variante sich ausbreiten. Die ist so ansteckend, dass wahrscheinlich selbst unter Lockdown-Bedingungen wahrscheinlich zusätzliche Ansteckungen erfolgen», erklärte er im ZDF-«Morgenmagazin». Die Gefahr sei, dass weitere Mutationen entstünden, gegen die die Impfungen nicht mehr wirkten. Derzeit sei dies noch nicht geschehen. Aber: «Man darf nicht mit dem Feuer spielen», sagte Lauterbach. «Wir müssen endlich wieder die Kontrolle über die Pandemie gewinnen.»

Die Diskussion über eine Benachteiligung von Nicht-Geimpften etwa in Fluggesellschaften, Hotels oder bei anderen privaten Dienstleistern hält er derzeit für verfehlt. «Das ist doch eine Luxusdebatte, wenn man so will, im Moment sterben uns die Leute», sagte Lauterbach. «Wir müssen diese Debatte führen, aber ehrlich gesagt, wenn es an der Zeit ist. Das ist doch im Moment überhaupt nicht das Problem.»

(dpa)

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