Letztes Update:
20201229140413

Verband: Kliniken können bald Gehälter nicht mehr zahlen

14:02
29.12.2020
Die Deutsche Krankenhausgesellschaft schlägt angesichts der coronabedingten Betriebseinschränkungen Alarm: «Wenn die Bundesregierung die Hilfen nicht deutlich erhöht, werden flächendeckend Kliniken bereits im ersten Quartal 2021 nicht mehr die Gehälter ihrer Mitarbeiter zahlen können», sagte der Präsident der Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). «Das Geld aus der Regelversorgung fehlt.» Die Krankenhäuser verfügten nur noch begrenzt über finanzielle Mittel.

Die Bundesregierung hatte Mitte Dezember einen neuen Rettungsschirm für die Krankenhäuser aufgespannt. Nach dem Konzept des Gesundheitsministeriums erhalten diese in besonders coronabelasteten Gebieten Ausgleichszahlungen, wenn sie auf aufschiebbare Eingriffe verzichten und damit Betten frei halten. Davon würden aber lediglich 25 Prozent der Kliniken erfasst, erklärte Gaß. Der Verbandspräsident schlug vor, dass die Kliniken auf der Basis von 2019 monatlich ihr Budget erhalten sollten und Ende 2021 genau abgerechnet wird.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sicherte am Dienstag ausreichende Finanzmittel zu. «Bund und Länder stehen gemeinsam in der Verantwortung. Wir wollen und werden die Liquidität der Krankenhäuser in der Krise sichern. Darauf können sich die Beschäftigten verlassen», sagte er dem RND. Das Thema könnte auch bei den nächsten Beratungen zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten der Länder am 5. Januar auf der Tagesordnung stehen.

Zwei Drittel aller Klinikbetreiber rechnen im Gesamtjahr 2020 mit Verlusten, wie aus dem aktuellen Krankenhaus-Barometer des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) hervorgeht, das dem Berliner «Tagesspiegel» (Dienstag) vorliegt. 18 Prozent der knapp 2000 Kliniken mit 1,3 Millionen Mitarbeitern beurteilen ihre aktuelle wirtschaftliche Lage als gut.

(dpa)

Wieder Corona-Ausbrüche in Heimen - «nicht zu erklären»

14:00
29.12.2020
Kurz vor dem Start der Corona-Impfung in Seniorenheimen hat es in drei Einrichtungen im Rhein-Neckar-Kreis und Heidelberg Virus-Ausbrüche gegeben. Über die Weihnachtsfeiertage seien erneut in einem Heim in Bammental Bewohner und Mitarbeiter positiv auf das Virus getestet worden, teilte das Gesundheitsamt des Kreises und der Stadt Heidelberg mit. Dabei handelt es sich um dasselbe, in dem bereits Ende Oktober in einem seiner beiden Häuser mindestens 33 Menschen positiv getestet worden waren. Damals waren acht Bewohner mit Corona gestorben. Auch in Malsch und Heidelberg sind Ausbrüche mit insgesamt 48 Betroffenen bekannt geworden.

In Bammental ist jetzt ist das andere Haus betroffen, wie Geschäftsführer Jörn Fuchs am Montag mitteilte. Dafür wurde nach einem Massentest an Heiligabend ein Besuchsverbot und ein Aufnahmestopp verhängt. In dem Haus sind 31 von 44 Bewohnern infiziert; alle befinden sich in Quarantäne in ihren Zimmern. Bislang sind zehn Mitarbeiter positiv getestet worden. Zwei Senioren sind gestorben. Eine Übersterblichkeit sehe er nicht, betonte Fuchs. «Wir können uns den erneuten Ausbruch nicht erklären.» Alle Mitarbeiter und Besucher müssten FFP2-Masken tragen, die Mitarbeiter würden zwei Mal pro Woche getestet.

Allerdings fehle das Personal dafür, Besuchern einen Abstrich abzunehmen - wie es in anderen Heimen praktiziert wird. Fuchs: «Das können wir nicht stemmen.» Ein Heim sei kein isoliertes Gebilde; auch die Bewohner selbst verließen das Haus zu Therapien, Besuchen oder Einkäufen, andere kämen aus der Klinik zurück. «Wer meint, ein Pflegeheim kontrollieren zu können, der hat vom Geschehen dort keine Ahnung», betonte Fuchs. Ein Restrisiko bleibe bestehen. Dennoch werde er jetzt die Qualität der benutzten FFP2-Masken überprüfen lassen.

In Heidelberg wurden in einem Heim 22 Bewohner und 4 Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet. Auch in einer Einrichtung in Malsch hatten sich 16 Bewohner und 6 Mitarbeiter infiziert. Im mit fast 550 000 Einwohnern bevölkerungsreichsten Landkreis Baden-Württembergs lag die 7-Tage-Inzidenz am Dienstag bei 178,2.

Nach Angaben des Landesgesundheitsamts waren von Ende September bis Mitte Dezember 510 Tote in Alten- und Seniorenheimen im Südwesten zu beklagen. Mit dem Virus infiziert hatten sich im gleichen Zeitraum insgesamt knapp 5000 Menschen in 259 Heimen. Das Statistische Landesamt zählte 2017 fast 1800 Pflegeheime.

Studien zeigen laut Landesgesundheitsamt, dass der Anteil der an oder mit Corona Gestorbenen im Alter bis etwa 50 Jahre unter 0,1 Prozent liegt. Ab 50 Jahren steigt er und bei Menschen über 80 Jahren liegt der Anteil häufig bei mehr als zehn Prozent.

(dpa/lsw)

Alle externen Inhalte nachladen?
Datenschutzerklärung
nachladen