Braucht man unbedingt zwei Impfungen?
Etwa drei Wochen nach der ersten Impfung ist eine zweite, eine Auffrischungsimpfung fällig. «Das kennt man auch von anderen Impfstoffen, etwa den ersten Impfungen am Lebensanfang», erläutert Andreas Podbielski, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie, Virologie und Hygiene an der Uni Rostock. «Manche Menschen bauen bereits nach der ersten Impfung einen ausreichenden Immunschutz auf, andere aber nicht. Man stellt mit der Auffrischungsimpfung sicher, dass die Impfwilligen tatsächlich vernünftig geschützt sind.» Andernfalls sei es möglich, dass es trotz Impfung zu Erkrankungen kommt. Ein möglichst optimaler Schutz sei auch psychologisch wichtig, damit nicht der Eindruck entstehe, die Impfung tauge nichts.
Wird es Sonderregeln für Geimpfte geben?
Die Frage kann noch keiner klar beantworten. Geführt wird die Debatte seit Wochen unter der Überschrift «Impfpflicht durch die Hintertür». Offiziell ist zwar keine Impfpflicht geplant, aber es wird immer wieder die Befürchtung geäußert, Nichtgeimpfte könnten Nachteile erfahren, etwa wenn Geschäfte oder Veranstalter im Rahmen ihres Hausrechts für sie die Türen zumachen oder wenn Fluggesellschaften, wie die von der australischen Qantas angekündigt, auf bestimmten Strecken nur noch geimpfte Passagiere mitnehmen.
Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) hatte vor Weihnachten auf eine entsprechende Nachfrage im ZDF-«Morgenmagazin» gesagt: «Natürlich sind wir ein Land, was Privatwirtschaft hat. Verhindern werden wir das nicht können.» Das Bundesjustizministerium teilte am Montag auf Nachfrage mit, eine verlässliche Antwort auf die Hausrecht-Frage könne im Moment noch nicht gegeben werden. Verwiesen wird auch darauf, dass noch nicht klar sei, ob eine Impfung nur den Geimpften oder auch andere vor einer Ansteckung schützt.
Wieviele Impfungen sind mit einem Fläschchen möglich?
Der Impfstoff kommt als Konzentrat und wird jeweils vor der Impfung mit Kochsalzlösung verdünnt. Eigentlich muss das Konzentrat für fünf Mischungen reichen. Da aber sicherheitshalber ein wenig mehr in jede Flasche eingefüllt wird, sind manchmal sogar sechs Injektionen drin. Das Bundesgesundheitsministerium hat die Länder jetzt auf diese Möglichkeit hingewiesen - keine unwichtige Nachricht zum Impfauftakt, wo der Stoff knapp ist. Bedingung ist allerdings, dass in jeder Spritze wie vorgeschrieben 0,3 Milliliter Impfstoff enthalten sind. Das muss der impfende Arzt im Einzelfall sicherstellen, wie es heißt. Reste aus Impfflaschen dürfen auf keinen Fall zusammengemischt werden.
Warum ist der Impfstoff überhaupt knapp und warum wurde nicht mehr bestellt?
Die EU-Kommission hat im Auftrag aller 27 EU-Staaten mit rund 450 Millionen Menschen knapp zwei Milliarden Dosen von sechs Impfstoffherstellern geordert - insgesamt also mehr als genug. Knapp ist der Impfstoff zu Beginn deshalb, weil bisher nur das Mittel von Biontech/Pfizer eine EU-Zulassung hat. Die EU soll bis zu 300 Millionen Dosen davon bekommen, aber nur nach und nach. Bis September 2021 sollen 200 Millionen Dosen geliefert sein.
Jeweils bis zu rund 400 Millionen Dosen wurden von Astrazeneca, Curevac und Johnson&Johnson bestellt. Nur hinken diese in der Entwicklung etwas hinter Biontech/Pfizer her. Die Kommission verteidigt ihre Beschaffungsstrategie: Ziel sei ein vielfältiges Sortiment unterschiedlicher Hersteller gewesen, um sicher zu sein, dass die Europäer bei den ersten Lieferungen mit dabei sind. Es sei bekannt, dass einige EU-Staaten womöglich mehr von einem bestimmten Impfstoff wollten, sagte ein Kommissionsprecher am Montag. Man prüfe, wie das ermöglicht werden könnte.
Beim Umfang der Bestellungen könnte der Preis eine Rolle gespielt haben. Eine belgische Staatssekretärin machte kürzlich publik, dass eine Dosis des Biontech/Pfizer-Vakzins 12 Euro koste, das Mittel von Astrazeneca nur 1,78 Euro.
Für welche Impfstoffe werden die nächsten Zulassungen in der EU erwartet und wann? Werden dadurch Engpässe beseitigt?
Als nächstes will die EU-Arzneimittelbehörde EMA am 6. Januar eine Empfehlung zum Impfstoff des Herstellers Moderna abgeben. Davon hat die EU bis zu 160 Millionen Dosen bestellt. Die Zulassung dürfte aber die Knappheit noch nicht beseitigen. Der Impfstoff von Astrazeneca könnte in der EU - wie in Großbritannien - als nächstes an der Reihe sein, auch wenn ein Termin noch nicht bekannt ist. Dessen Zulassung wäre aus Sicht von Experten ein großer Schritt nach vorn. Denn das Vakzin ist preiswert und muss auch nicht so stark gekühlt werden, wie die neuartigen Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna.