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Altmaier drängt: «Auf gar keinen Fall bis nach Weihnachten warten»

09:04
12.12.2020
Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hat vor Kontrollverlust in der Corona-Pandemie gewarnt und zu schnellem Handeln noch vor Weihnachten gedrängt. «Das Infektionsgeschehen hat sich in den letzten drei Tagen dramatisch beschleunigt. Wir sind wieder in einer Phase exponentiellen Wachstums und sehen, dass die ersten Intensivstationen an ihre Kapazitätsgrenzen gelangen», sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Samstag). Man könne auf gar keinen Fall bis nach Weihnachten warten, ehe man reagiere. «Wir müssen jetzt klären, wie es weitergeht. Sonst gerät der Pandemie-Verlauf vollständig außer Kontrolle», sagte Altmaier.

Sowohl im privaten Bereich als auch im öffentlichen Raum müssten Kontakte drastisch reduziert werden. Ins Visier genommen werden müssten Bereiche, die möglichst wenig ins wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben eingreifen. «Aber klar ist: Das wird nicht zum Nulltarif gehen», sagte er. Bereits zuvor hatte er höhere Corona-Hilfen im Fall eines harten Lockdowns in Aussicht gestellt.

Einer Homeoffice-Pflicht erteilte er eine Absage: «Ich halte wenig davon, in die betriebliche Praxis hinein zu dirigieren», sagte er. Für neue Rechtsansprüche sei jetzt, wo viele Unternehmen ums Überleben kämpften, einfach keine Zeit. Der Staat habe an die Wirtschaft appelliert, Beschäftigte wo immer möglich ins Homeoffice zu schicken. Die Reduzierung von Kontakten sei aber auch am Arbeitsplatz organisierbar. Ein Sonderfall seien Großraumbüros.

(dpa)

Kärcher zahlt Mitarbeitern weltweit Corona-Prämie

09:03
12.12.2020
Der Reinigungs- und Gartengerätehersteller Kärcher zahlt rund 7000 Mitarbeitern weltweit zu Weihnachten eine Corona-Dankesprämie. In Deutschland erhalten die gut 4000 Beschäftigten jeweils bis zu 875 Euro, wie das Unternehmen aus Winnenden mitteilte. Solche Prämien sind aufgrund einer Sonderregelung für die Beschäftigten steuer- und sozialversicherungsfrei. Kärcher-Mitarbeiter in Produktion und Logistik, die anders als ihre Kollegen etwa in der Verwaltung keine Möglichkeit hatten, von zu Hause aus zu arbeiten, hatten zusätzlich bereits sogenannte Antrittsprämien bekommen.

In anderen Ländern zahlt Kärcher je nach Kaufkraft andere Beträge. Insgesamt sollen weltweit rund fünf Millionen Euro als Anerkennung des Engagements an die Mitarbeiter ausgezahlt werden, wie Vorstandschef Hartmut Jenner sagte.

«Das zurückliegende Jahr war sicherlich eines der schwierigsten in unserer Firmengeschichte», sagte Jenner. Kärcher habe in der üblicherweise umsatzstärksten Zeit im Frühjahr einen starken Einbruch verkraften müssen, in der Folge aber wieder zumindest bis auf Vorjahresniveau aufgeholt. Der Umsatz lag im ersten Halbjahr bei rund 1,4 Milliarden Euro. «Ungeachtet der erneuten Lockdowns in vielen Ländern ist das für uns ebenfalls sehr wichtige Weihnachtsgeschäft im November gut angelaufen, und wir sind zuversichtlich, dass sich diese Entwicklung auch im Dezember fortsetzt», sagte Jenner. So könne man letztlich versöhnlich auf 2020 zurückblicken.

(dpa/lsw)

Finanzkonzern W&W will verstärkt aufs Homeoffice setzen

09:02
12.12.2020
Der Finanzkonzern Wüstenrot & Württembergische will nach den guten Homeoffice-Erfahrungen in der Corona-Pandemie auch nach der Krise mittelfristig deutlich stärker auf Heimarbeits-Modelle setzen. Vom Jahr 2023 an werde angestrebt, «dass wir für zehn Mitarbeiter noch sieben Büro-Arbeitsplätze vorhalten und dass die anderen drei dann jeweils von zu Hause aus arbeiten», sagte W&W-Vorstandschef Jürgen A. Junker der Deutschen Presse-Agentur. «Und wenn an einzelnen Tagen mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von zu Hause arbeiten wollen, dann gerne – warum nicht!» Voraussetzung dafür sei nur, dass die Anforderungen der Kunden des aufs Bauspar- und Versicherungsgeschäft spezialisierten Konzerns stets erfüllt würden.

Junker sagte, vor der Pandemie hätten nur die wenigsten W&W-Mitarbeiter ab und zu von zu Hause aus gearbeitet, auch wenn bereits in Teilen entsprechende Angebote gemacht worden seien. Doch die Corona-Krise und die vorübergehend aus Infektionsschutzgründen notwendig gewordene Pflicht zur Heimarbeit habe zu einem Umdenken in der Belegschaft auch für die Zeit nach der Krise geführt. «Mit der gewonnenen Erfahrung sagen viele, dass sie mit diesem Konzept gute Erfahrungen gemacht haben, weil sie sich beispielsweise jeden Tag den Fahrweg sparen und damit täglich zwei Stunden Freizeit gewinnen.» Auch bei Führungskräften seien die Akzeptanz von Homeoffice und die Kompetenz im Umgang damit gestiegen.

Der 51-Jährige betonte, bei W&W sei die Qualität der Arbeit von Mitarbeitern im Homeoffice teils «noch höher als im Büro». Zwar liefen Online-Meetings formaler ab, «aber sie sind dafür auch häufig taffer, effizienter, zielgerichteter». Auch seien die Fehlzeiten derzeit geringer als in den vergangenen Jahren.

Ein komplettes Homeoffice-Modell für alle Mitarbeiter kann sich Junker aber nicht vorstellen. «Da würde dann insgesamt zu viel Wichtiges im zwischenmenschlichen Bereich verloren gehen.» Zwar könnten Videokonferenzen Face-to-face-Konferenzen ergänzen, aber auf Dauer sei dieses Modell «allein nicht nachhaltig» genug. «Wir merken, dass Videokonferenzen an ihre Grenzen kommen, wenn es um mehr als nur um die Abarbeitung eines Arbeitsplans geht.»

Zurzeit hat die W&W-Gruppe wegen der zweiten Corona-Welle nach eigenen Angaben rund 70 Prozent ihrer Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt. Die gesundheitliche Notlage habe dazu geführt, dass selbst Führungskräfte zeitweise nur auf Grundlage von Video-Calls eingestellt worden seien. «Früher haben wir zwar auch ab und an erste Vorstellungsgespräche per Video geführt, aber es gab immer auch persönliche Treffen. Das sind einfach ganz andere Begegnungen. Wenn man sich persönlich gegenüber sitzt, kommt man anders miteinander ins Gespräch als über Videotelefonie. Auch die so wichtige menschliche Beurteilung ist erst im persönlichen Gespräch ganzheitlich möglich.»

Laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom machen Berufstätige im coronabedingten Homeoffice generell überwiegend positive Erfahrungen - und möchten auch nach der Pandemie flexibel arbeiten. Nach den Berechnungen des Verbands werden auch nach Ende der Corona-Pandemie sehr viel mehr Menschen im Homeoffice arbeiten als zuvor. Mehr als jeder Dritte werde den Arbeitsort flexibel wählen. Vor der Pandemie war Homeoffice den Angaben zufolge eher die Ausnahme.

(dpa/lsw)

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