Wegen der anhaltend hohen Corona-Infektionszahlen greift in der Schweiz die Regierung härter durch. Die am Freitag beschlossenen Maßnahmen bleiben verglichen mit Deutschland und anderen Nachbarländern aber lasch. Ausgangssperren gibt es nicht, Geschäfte und Restaurants werden nicht geschlossen, die Skigebiete bleiben über Weihnachten und Neujahr geöffnet. Treffen in privatem Raum werden nicht weiter beschränkt. Weiter dürfen sich zehn Personen treffen, inklusive Kinder und ohne Beschränkung der Haushalte.
Landesweit sollen Restaurants, Bars, Läden, Museen, Bibliotheken sowie Sport- und Freizeitanlagen nun zwischen 19.00 Uhr und 06.00 Uhr morgens schließen. Das soll bis zum 22. Januar gelten. Abgesehen von Bars und Restaurants sollen sie sonn- und feiertags geschlossen bleiben.
Kantone, die ihre Zahlen bereits mit strikten Maßnahmen herunter gebracht haben, sollen die Sperrstunde auf 23.00 Uhr ausweiten können. Diese Ausnahme gilt, wenn unter anderem ihr R-Wert - der angibt, wie viele Personen ein Infizierter ansteckt - unter 1 bleibt. Landesweit liegt er knapp darüber.
Ansonsten gelten nur Empfehlungen, möglichst zu Hause zu arbeiten und möglichst wenig Menschen zu treffen. Sollte das alles nichts nützen, würden schärfere Maßnahmen beschlossen, sagte Präsidentin Simonetta Sommaruga. ««Machen Sie mit, sonst kommt der Lockdown immer näher», warnte Gesundheitsminister Alain Berset. Am 24. Dezember und für Silvester gilt die Sperrstunde erst ab 01.00 Uhr.
Am Freitag lag die Zahl der Neuinfektionen in der Schweiz innerhalb von 14 Tagen bei fast 622 pro 100 000 Einwohner. In Deutschland lag der Wert pro 100 000 Einwohnern innerhalb von sieben Tagen bei 156.
Wie in Deutschland die Bundesländer sind in der Schweiz eigentlich die Kantone für die Maßnahmen zuständig. Allerdings war die Regierung frustriert, dass einige zu zögerlich handelten. In der Westschweiz waren Restaurants und Geschäfte teils seit November geschlossen, in anderen Kantonen gab es kaum Auflagen über das Maske-Tragen und Abstand halten hinaus.