Letztes Update:
20201210152231

Bildungsminister beraten über Corona-Situation an Schulen

15:19
10.12.2020
Die Bildungsminister der Länder haben am Donnerstag in einer Videokonferenz über die Corona-Situation und mögliche Folgen für den Schulunterricht beraten. Zu Beginn der letzten regulären Sitzung der Kultusministerkonferenz (KMK) verschafften sie sich nach Informationen aus Teilnehmerkreisen einen Überblick zu den einzelnen Bundesländern. In Sachsen wurden wegen der hohen Infektionszahlen bereits für die kommende Woche wieder Schulschließungen wie im März angekündigt.

Die Mehrheit der Ministerrunde vertrete weiter die Linie, die Schulen so lange wie möglich offen zu halten, hieß es in Teilnehmerkreisen. Ein Wechsel von Präsenz- und Fernunterricht soll es in einzelnen Regionen mit besonders hohen Infektionszahlen geben. Die letzte Entscheidung für weitere Maßnahmen zum Schulunterricht soll dem Vernehmen nach nicht bei den Bildungsministern liegen, sondern der Ministerpräsidentenkonferenz vorbehalten sein. Das Bundesbildungsministerium wurde von Staatssekretär Christian Luft vertreten.

Auf der Tagesordnung der zweitägigen Videokonferenz unter dem Vorsitz der rheinland-pfälzischen Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) standen auch Vorbereitungen für die Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz: Ursprünglich als Bildungsrat geplant, soll diese Kommission mit Bildungswissenschaftlern besetzt werden, die die künftige Gestaltung der Bildungspolitik der Länder mit wissenschaftlicher Expertise begleiten sollen. Außerdem wollten sich die Teilnehmer der KMK-Sitzung mit dem Bedarf der Einstellung von Lehrern bis 2020 befassen und dazu Modellrechnungen der Länder betrachten. Schließlich sollte auch die brandenburgische Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) zur KMK-Präsidentin für das kommende Jahr gewählt werden.

(dpa)

Lernen vom März? Wie Deutschland der Corona-Lage Herr werden könnte

15:17
10.12.2020
Die Zahlen sinken einfach nicht. Trotz vieler Einschränkungen, die in Deutschland besonders seit Anfang November gelten, vermeldet das Robert Koch-Institut (RKI) erst am Donnerstag wieder einen Corona-Höchststand. 23 679 Neuinfektionen binnen eines Tages - so hoch waren die Zahlen zuletzt nicht. Und auch nicht im Frühjahr, als noch viel strengere Regeln zur Eindämmung der Pandemie galten. Was läuft schief? Ist das alles zu lasch?

«Die Regeln sind nicht so, dass den Menschen die Dramatik der Lage bewusst wird», sagt Professor Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen. Viele sähen nicht mehr die Gefahr, sich anzustecken. Sie hätten sich an die Maßnahmen gewöhnt und seien nachlässiger. Er plädiert wie auch die Nationale Wissenschaftsakademie Leopoldina für einen «harten Lockdown».

Rückblick auf Mitte März: Das öffentliche Leben in Deutschland kommt weitgehend zum Stillstand. Die meisten Gaststätten, Läden und Dienstleister dürfen keine Kundschaft empfangen. Nur Lebensmittelgeschäfte, Drogerien, Apotheken, Tankstellen und Banken sind offen. In den Werken großer deutscher Autobauer wie VW und BMW kommt es wegen der Ansteckungsgefahr zum Produktionsstopp.

Über Wochen dürfen sich damals nicht mehr als zwei Menschen aus verschiedenen Haushalten treffen. Die Grenzen zu den Nachbarn sind abgeriegelt. Als die meisten Schulen und Kitas geschlossen werden, ist die Zahl der Todesfälle in Deutschland noch einstellig, bundesweit bestätigt das RKI seinerzeit rund 3000 Ansteckungen. Erst nach Ostern gibt es schrittweise wieder Lockerungen.

Und heute? Rund 20 000 Menschen sind hierzulande im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion gestorben, Hunderte weitere kommen täglich dazu. Den Menschen allerdings stehen aktuell noch so einige Freiräume offen. Zwar sind Kultur-, Sport- und Gaststätten für die Öffentlichkeit auch jetzt wieder großteils gesperrt. Doch öffnen bisher noch alle Geschäfte für den Weihnachtseinkauf, Arbeiter stehen weiter an den Fließbändern, Berufspendler drängeln sich in teils überfüllte Busse und Bahnen. Und ins Dauerthema Schulen kommt erst allmählich Bewegung. Der Begriff dafür: «Lockdown light».

Während also im Frühjahr eine Maßnahmen-Decke über ganz Deutschland gelegt wurde, wollten Bund und Länder von November an über gezielte Nadelstiche vor allem die Freizeit-Kontakte der Menschen reduzieren - ohne dabei Wirtschaft und Bildung herunterzufahren. «Das hat aber nicht geklappt», sagt Zeeb. Um das Infektionsgeschehen halbwegs in den Griff zu bekommen, geht er davon aus, dass jeder seine Kontakte auf ein Viertel reduzieren müsse. Das sei mit den gegenwärtigen Maßnahmen allerdings nicht geschehen, konstatiert der Epidemiologe.

Die ersten Bundesländer greifen nun zu härteren Maßnahmen. Im Hotspot Sachsen etwa sollen von kommender Woche an Schulen und Kitas schließen. Öffnen dürfen dann nur noch Lebensmittelläden und Geschäfte für den Grundbedarf wie Apotheken, Drogerien und Friseure. Berlin will zwar auch das Shoppen einstellen, aber erst kurz vor dem Weihnachtsfest.

RKI-Präsident Lothar Wieler fordert die Menschen unabhängig von Vorgaben aus der Politik auf, ihre Kontakte weiter einzuschränken: um mehr als 60 Prozent. Bislang seien im Schnitt aber nur etwa 40 Prozent erreicht worden. Auch er sieht eine «gewisse Ermüdung» in der Bevölkerung. Das Risikobewusstsein habe sich teilweise verändert.

Stück für Stück haben sich in den vergangenen Monaten viele wieder mehr Kontakte erlaubt. Dazu kommt noch, dass es einer repräsentativen Umfrage zufolge für etwa jeden siebten Bundesbürger keine eindeutigen Beweise für die Existenz des Coronavirus gibt. Bei ihnen ist die Bereitschaft, sich an Corona-Regeln zu halten, womöglich nicht so ausgeprägt. Unter dem Strich hänge die Entwicklung «in hohem Maße damit zusammen, wie wir alle uns verhalten», sagt RKI-Chef Wieler.

Weihnachten steht vor der Tür, und viele wünschen sich nach einem Jahr großer Entbehrungen nun endlich ein Zusammenkommen mit Familie und Freunden. Die Politik machte zunächst auch Hoffnung: Der Teil-Lockdown im November könne das Weihnachtsfest retten, hieß es. Doch einige Bundesländer sind von Lockerungen über die christlichen Festtage inzwischen abgerückt. «Der Teil-Lockdown hat nicht das gebracht, was er bringen sollte», sagt Epidemiologe Zeeb.

Das Ziel kann nur lauten: Die Neuinfektionen müssen sinken. «Es ist viel einfacher, die Fallzahlen zu kontrollieren, wenn sie niedrig sind, als wenn sie hoch sind», sagte die Göttinger Physikerin Viola Priesemann vom Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation am Mittwoch bei «Markus Lanz» im ZDF. Maßnahmen scheibchenweise zu beschließen, bringe nichts. Priesemann ist Mitglied des Expertenteams der Nationalen Wissenschaftsakademie Leopoldina.

Diese hatte jüngst in einer eindringlichen Stellungnahme eine drastische Verschärfung der Beschränkungen gefordert - am besten so schnell wie möglich. Ein «harter Lockdown» solle genutzt werden, um die deutlich zu hohen Neuinfektionen zu verringern. Epidemiologe Zeeb mahnt, ein solcher Lockdown solle nicht dem Winterschlaf dienen, sondern dazu genutzt werden, langfristige Strategien zu entwickeln. Die Hoffnung auf einen baldigen Start der Impfungen könne nicht der alleinige Ausweg sein.

(dpa)

Alle externen Inhalte nachladen?
Datenschutzerklärung
nachladen