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Mediziner: «wirkliche Krisensituation» - und es wird noch schlimmer

08:20
10.12.2020
Intensiv- und Notfallmediziner sehen die aktuelle Entwicklung bei der Zahl der Neuinfektionen und Todesfälle mit Sorge und Enttäuschung. «Wir haben jetzt eine wirkliche Krisensituation», sagte Uwe Janssens, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Er sei sehr enttäuscht, dass es überhaupt zur jetzigen Lage kommen musste. «Die Warnungen waren ja schon lange da.»

Janssens sieht ein Problem bei den zu zögerlich und uneinheitlich reagierenden Ministerpräsidenten der Länder. «Wir sind da gerade ein Stück weit im Föderalismus gefangen.» Es sei unsolidarisch, dass bestimmte Ministerpräsidenten bei den nötigen Verschärfungen des Teil-Lockdowns nicht mitzögen. «Wünschenswert wäre, eine klare und bundesweit einheitliche Regelung für vier, fünf Wochen oder wenn nötig auch länger durchzuziehen.»

Nicht nachvollziehbar sei die Idee, einen verschärften Lockdown erst nach Weihnachten oder Silvester ansetzen zu wollen. «Die Mitarbeiter auf den Intensivstationen kommen an ihre Grenzen, viele sind sehr enttäuscht vom Verhalten der Politiker, aber auch der Bevölkerung», sagte Janssens. Die Pflege von Covid-19-Intensivpatienten bedeute immensen Aufwand, den das Personal auch an den Feiertagen leisten müsse und werde.

Dass ein großer Teil der Bevölkerung nach Umfragen Familientreffen wie gehabt standfinden lassen wolle, sei in höchstem Maße unsolidarisch, betonte der Mediziner. «Ich habe größtes Verständnis für den Wunsch, dass man die Oma zu Weihnachten sehen möchte, damit sie nicht einsam ist», so Janssens. Doch jedem müsse klar sein, dass es nach den Feiern an Weihnachten viele Omas mehr geben werde, die letztlich allein im Krankenhaus sterben.

«Durch die mangelnde Solidarität sterben mehr Menschen, das muss klar sein», sagte Janssens. Dahinter stünden immer neue schlimme Einzelschicksale. «Wie viel Leid die steigenden Fallzahlen bedeuten, ist vielen nicht bewusst.» Die Vereinigung Divi unterstütze darum die Forderung der Nationalen Wissenschaftsakademie Leopoldina nach einem harten Corona-Lockdown vollauf. Dem Vorschlag zufolge sollten die Feiertage und der Jahreswechsel genutzt werden, um die Infektionszahlen schnell zu verringern - etwa indem Geschäfte außer für den täglichen Bedarf geschlossen bleiben.

(dpa)

Höchstwert: 23 679 Corona-Infektionen binnen 24 Stunden gemeldet

08:19
10.12.2020
Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Deutschland erreicht einen Höchststand. Die Gesamtzahl der Todesfälle übersteigt 20 000. Die höchsten Inzidenzen haben Sachsen und Thüringen.

Die Zahl der binnen eines Tages an das Robert Koch-Institut gemeldeten Corona-Neuinfektionen hat einen Höchststand erreicht. Die Gesundheitsämter übermittelten binnen 24 Stunden 23 679 Fälle, wie aus Zahlen von Donnerstagmorgen hervorgeht. Der bisherige Rekordwert war am 20. November mit 23 648 gemeldeten Fällen erreicht worden. Am Donnerstag der vergangenen Woche waren es 22 046 neue Fälle.

Zudem wurden dem RKI in 24 Stunden 440 neue Todesfälle gemeldet. Am Vortag war mit 590 Toten der bisherige Höchstwert erreicht worden.

Insgesamt überstieg die Zahl der Toten die Marke von 20 000. Generell war die Zahl der täglichen Todesfälle zuletzt nach oben gegangen, was nach dem Anstieg bei den Neuinfektionen erwartet wurde. Die Gesamtzahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 20 372.

Insgesamt registrierte das RKI seit Beginn der Pandemie 1 242 203 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2 in Deutschland (Stand: 10.12., 00.00 Uhr). Nach Schätzungen sind rund 922 100 Menschen inzwischen genesen. Damit gibt es derzeit rechnerisch rund 300 000 aktive Corona-Fälle.

Die 7-Tage-Inzidenz - also die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner und Woche - gab das RKI am Donnerstagfrüh mit rund 150 an. Zu Beginn des Teil-Lockdowns Anfang November hatte sie um die 120 gelegen. Unter den Bundesländern hatte Sachsen laut RKI-Angaben mit rund 300 mit Abstand den höchsten Wert.

Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht vom Mittwoch bei 0,99 (Vortag: 1,02). Das heißt, dass 100 Infizierte rechnerisch 99 weitere Menschen anstecken. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab.

(dpa)

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