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Verfassungsschutz Baden-Württemberg beobachtet «Querdenken»-Bewegung

08:00
09.12.2020
Das Landesamt für Verfassungsschutz in Baden-Württemberg beobachtet als erstes in Deutschland die «Querdenken»-Bewegung. Wie die Deutsche Presse-Agentur in Stuttgart am Mittwoch erfuhr, stufte das Landesamt «Querdenken 711» als Beobachtungsobjekt ein. Die Gruppe, die seit Monaten gegen die staatlich verordneten Corona-Einschränkungen auf die Straße geht, radikalisiere sich und sei durch Extremisten unterwandert, hieß es in Sicherheitskreisen. Gründer der «Querdenken»-Bewegung ist der Stuttgarter Unternehmer Michael Ballweg.

Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) und Verfassungsschutzpräsidentin Beate Bube wollen am Vormittag (11.00) über den Umgang mit der «Querdenken»-Bewegung informieren, sagte ein Ministeriumssprecher der dpa. Strobl hatte zuletzt vor dem zunehmenden Einfluss von Extremisten und Verfassungsfeinden in Reihen der «Querdenker» gewarnt. Die Bewegung speise sich aus Reichsbürgern, Selbstverwaltern, Rechtsextremen und Verschwörungstheoretikern, die die Demonstranten instrumentalisierten.

Der Stuttgarter «Querdenken»-Gründer Ballweg hat sich immer wieder gegen die Vorwürfe gewehrt. Zuletzt hatte der Unternehmer Ende vergangener Woche der dpa gesagt: «Wir sind eine friedliche Bewegung und keine politische Partei.» Extremismus, Gewalt, Antisemitismus und menschenverachtendes Gedankengut hätten ebenso wenig Platz bei den «Querdenkern» wie die Symbole dieser Denkweisen.

Anhänger der Initiative «Querdenken 711», das Kürzel kommt von der Stuttgarter Telefonvorwahl 0711, und Ableger der Bewegung sind in den vergangenen Monaten in zahlreichen deutschen Städten gegen Beschränkungen in der Corona-Krise auf die Straße gegangen. Die Mischung der Teilnehmer ist vielfältig: Sie reicht von eher bürgerlichen Demonstranten, Esoterikern, Friedensbewegten bis hin zu Reichsbürgern und offen Rechtsextremen. Zuletzt war es auch im Umfeld der Demonstrationen immer wieder zu Gewalt gekommen.

Auch die Innenministerkonferenz will sich an diesem Donnerstag mit dem Thema befassen. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) hatte bereits eine schnelle Beobachtung der Bewegung gefordert.

(dpa)

Eine Sternlänge Abstand - Sternsinger wappnen sich für Corona

06:23
09.12.2020
Der Gesang durch den Handy-Lautsprecher, der Segen im Briefkasten und die Spendenübergabe mittels selbst gebasteltem Kescher: Auf kreative Weise bereiten sich die Sternsinger auf ihre Mission in Corona-Zeiten vor. Am 29. Dezember soll die 63. Aktion Dreikönigssingen im Aachener Dom bundesweit eröffnet werden.

«Uns ist unglaublich wichtig, dass trotz der Situation der Segen jeden erreichen kann», sagte Sternsinger-Präsident Pfarrer Dirk Bingener der Deutschen Presse-Agentur. Neben Hygieneregeln wie Mittel zur Desinfektion der Hände für jede Gruppe hat das Kindermissionswerk «Die Sternsinger» Ideen von und für Pfarreien veröffentlicht, wie das klappen kann. Und die seien sehr vielfältig, sagte Bingener.

«Der Sternträger kann die Aufgabe bekommen, für den nötigen Mindestabstand zu sorgen», sagte der Sternsinger-Präsident: eine Sternlänge Abstand. Es gebe auch Pläne für eine lebendige Weihnachtskrippe, wo die Kinder als heilige drei Könige stehen, statt von Tür zu Tür zu gehen. «Der Drahtesel wird zum Fahrradkamel und der Segen kommt über Megafon», nannte Bingener weitere Beispiele. Manche Pfarreien wollten den Segen auch eintüten und in Briefkästen werfen oder die Sternsinger per Videokonferenzen übertragen. «Singen muss diesmal das Handy», sagte er mit Blick auf Chorverbote allenthalben. Es gebe aber auch gute Segenssprüche zum Aufsagen.

Traditionell gehen Sternsinger von Tür zu Tür, um Segenswünsche zu bringen. Sie hinterlassen den Segensspruch C+M+B an den Haustüren. Das steht für den lateinischen Satz «Christus mansionem benedicat» (Christus segne dieses Haus). Zugleich sammeln sie Geld für einen guten Zweck. Nach zahlreichen Austritten gibt es in Deutschland noch rund 22,6 Millionen Katholiken und 20,7 Millionen Protestanten.

Die Aktion steht diesmal unter dem Leitgedanken «Heller denn je – die Welt braucht eine frohe Botschaft!». «Gerade in dieser Situation ist die Botschaft der Sternsinger wichtig», sagte Bingener. Natürlich könnten die Kinder nicht in Seniorenheime oder Kliniken gehen, aber vor den Gebäuden seien zum Beispiel Auftritte möglich.

Dass die Corona-Regeln in den Bundesländern unterschiedlich sind und sich womöglich bis zum Start des Dreikönigssingens regional verändern können, findet Bingener angesichts der Lage nachvollziehbar. Dank des ehrenamtlichen Engagements gebe es aber überall Pläne, wie die Aktion dennoch umgesetzt werden könne. Dass unter der Pandemie das Aufkommen an Spenden leidet, glaubt er indes nicht: «Ich hoffe, dass die Menschen ob der Situation doppelt großzügig sind.»

(dpa)

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