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Eurozone erholt sich nicht ganz so stark von Corona-Einbruch

10:53
08.12.2020
Die Wirtschaft der Eurozone hat sich im Sommer geringfügig schwächer von dem schweren Corona-Einbruch im Frühjahr erholt als bisher bekannt. Die Wirtschaftsleistung (BIP) lag im dritten Quartal 12,5 Prozent höher als im Vorquartal, wie das Statistikamt Eurostat am Dienstag in Luxemburg nach einer dritten Schätzung mitteilte. Eine vorherige Berechnung hatte einen Zuwachs von 12,6 Prozent ergeben.

Trotz der leichten Korrektur ist der Wachstumsschub der stärkste seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1995. Allerdings folgt das Wachstum auf einen drastischen Einbruch im Frühjahr um 11,7 Prozent. In dieser Zeit wurden einschneidende Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus ergriffen, die die Wirtschaft extrem belastet haben. In der Europäischen Union fällt die Entwicklung seit dem Frühjahr ähnlich aus.

Das Wachstum im dritten Quartal war sowohl in der Eurozone als auch in der EU sehr breit angelegt. Den mit Abstand größten Wachstumsbeitrag erbrachte der Konsum. Die Investitionen der Unternehmen und der Außenhandel belebten das Wachstum ebenfalls deutlich.

Trotz des starken Wachstums im Sommer ist der Corona-Einbruch noch nicht wettgemacht. Zum Vorjahresquartal liegt das BIP in der Eurozone immer noch 4,3 Prozent niedriger, verglichen mit Ende 2019 sind es 4,4 Prozent weniger. Die Wirtschaftsleistung liege in etwa so hoch wie Anfang des Jahres 2017, erklärte Eurostat. Das zeigt, wie schwer die Corona-Beschränkungen die Konjunktur getroffen haben.

Zuletzt haben sich die Konjunkturaussichten wieder eingetrübt, da viele Staaten neue Corona-Maßnahmen beschlossen haben. Ökonomen halten es für möglich, dass die Euroraum-Wirtschaft im vierten Quartal erneut schrumpft, allerdings bei weitem nicht so stark wie im Frühjahr.

(dpa)

Lauterbach: Schulen vier Wochen in die Weihnachtsferien schicken

10:53
08.12.2020
Mit Blick auf die anhaltend hohe Zahl an Corona-Neuinfektionen hat der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach seine Forderung nach vier Wochen Weihnachtsferien erneuert. «Wir müssen rasch handeln, die Lage ist ernst», sagte Lauterbach der «Rheinischen Post» (Dienstag). «Wir sollten die Schulen vier Wochen in die Weihnachtsferien schicken, das heißt idealerweise schon innerhalb der nächsten Woche und dann bis einschließlich der ersten Januarwoche.»

Für den Handel forderte er erneut: «Der Einzelhandel sollte nach Weihnachten für zwei Wochen in einen harten Lockdown gehen, also geschlossen werden. Zu Silvester darf es beim Kontaktverbot keine Lockerungen geben.» Lauterbach ergänzte: «Wir sollten diese Maßnahmen noch in dieser Woche beschließen, die Zahl der Infektionen ist einfach zu hoch.»

Die Gesundheitsämter haben dem Robert Koch-Institut (RKI) 14 054 neue Corona-Infektionen binnen 24 Stunden gemeldet, wie aus Zahlen des RKI vom Dienstagmorgen hervorgeht. Am Diesntag zuvor waren es 13 604.

(dpa)

Deutlich weniger Firmenpleiten im Corona-Jahr - Anstieg 2021 erwartet

10:51
08.12.2020
Die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland ist trotz Corona-Krise auf den niedrigsten Stand seit Anfang der 1990er Jahre gesunken. Der deutliche Rückgang bei den Firmenpleiten um 13,4 Prozent auf schätzungsweise 16 300 (Vorjahr: 18 830) Fälle täusche jedoch «über die wirkliche Situation der Unternehmen hinweg», bilanzierte die Wirtschaftsauskunftei Creditreform am Dienstag.

Staatliche Hilfsgelder und Erleichterungen im Insolvenzrecht entspannten die Lage 2020. «Insbesondere für Gastronomie, Einzelhandel oder die Messe-, Reise- und Veranstaltungsbranche hat die Rezession massive Auswirkungen auf die Liquiditäts- und Finanzlage. Das wird sich ab dem kommenden Jahr dann in den Insolvenzzahlen niederschlagen», prognostizierte Creditreform.

Eine Erklärung für die niedrigen Zahlen im abgelaufenen Jahr: Der Gesetzgeber hat die Insolvenzantragspflicht für Firmen seit 1. März 2020 ausgesetzt. Heißt: Unternehmen, die wegen der Corona-Krise in Bedrängnis geraten, sind seither nicht verpflichtet, einen Insolvenzantrag zu stellen. Diese Sonderregelung gilt noch bis Ende 2020. Allerdings nur für Unternehmen, die überschuldet sind, nicht bei eingetretener Zahlungsunfähigkeit. Einen niedrigeren Stand bei den Unternehmensinsolvenzen gab es zuletzt 1993 mit 15 150 Fällen.

Trotz der gesunkenen Fallzahlen erhöhte sich die Schadenssumme für die Gläubiger deutlich von 23,5 Milliarden Euro 2019 auf schätzungsweise 34 Milliarden Euro im laufenden Jahr. Das lag daran, dass relativ viele große Unternehmen ins Schlingern gerieten. Darunter: der letzte große deutsche Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof, etliche Modehändler (Esprit, Hallhuber, Bonita), Deutschlands größte Friseurkette Klier, die Restaurantkette Vapiano sowie der Zahlungsdienstleister Wirecard, der mit Bilanzfälschung und Betrugsvorwürfen Staatsanwälte und die Berliner Politik beschäftigt.

Nach wie vor sind es aber vor allem kleinere Firmen, die es trifft: In vier von fünf Fällen (80,1 Prozent) hatte das betroffene Unternehmen höchstens fünf Mitarbeiter. Insgesamt sind nach Berechnungen von Creditreform etwa 332 000 Arbeitsplätze infolge der diesjährigen Unternehmensinsolvenzen bedroht oder schon weggefallen.

Auch bei den Verbraucherinsolvenzen erwartet Creditreform im nächsten Jahr wieder steigende Zahlen. 2020 sank hier die Zahl um gut ein Viertel auf 45 800 Fälle. Unter anderem Kurzarbeit - und damit vermiedene Arbeitslosigkeit - habe dazu beigetragen, dass «die Corona-Krise für die meisten Verbraucher bislang vergleichsweise gut abgefedert werden konnte», schreibt die Auskunftei.

(dpa)

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