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15 741 Fälle: Corona-Neuinfektionen etwas unter Vorwochenstand

08:29
22.11.2020
Erwartungsgemäß haben die Gesundheitsämter dem Robert Koch-Institut (RKI) mit 15 741 neuen Corona-Infektionen binnen 24 Stunden vergleichsweise wenig Fälle gemeldet. Im Vergleich zum Wert vor einer Woche sind das 1206 Infektionen weniger, wie aus RKI-Daten von Sonntagmorgen hervorgeht. Am vergangenen Sonntag hatte die Zahl bei 16 947 gelegen. Der Höchststand war am Freitag mit 23 648 gemeldeten Fällen erreicht worden. An Sonntagen und Montagen sind die Zahlen vergleichsweise gering, weil laut RKI am Wochenende weniger Proben genommen werden und dadurch auch insgesamt weniger getestet wird.

Nachdem die Zahl der täglichen Neuinfektionen im Oktober und Anfang November stark gestiegen war, war der Wert zuletzt vergleichsweise stabil. Einen deutlichen Rückgang der Neuinfektionen gibt es aber bislang nicht, obwohl seit Anfang November ein Teil-Lockdown in Deutschland gilt.

Das RKI zählt seit Beginn der Pandemie insgesamt 918 269 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2 in Deutschland (Stand: 22.11., 00.00 Uhr). Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus stieg bis Sonntag um 138 auf insgesamt 14 022. Das RKI schätzt, dass rund 603 800 Menschen inzwischen genesen sind.

Das sogenannte Sieben-Tage-R lag laut RKI-Lagebericht vom Samstag bei 1,07 (Vortag: 1,05). Das bedeutet, dass im Durchschnitt jede Person, die mit SARS-CoV-2 infiziert ist, ungefähr eine weitere Person ansteckt. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab.

(dpa)

Mögliche Nebenwirkungen: Drohen nach Corona mehr andere Infektionen?

08:28
22.11.2020
Die Corona-Maßnahmen schützen nicht nur vor Sars-CoV-2, sondern auch vor anderen Krankheitserregern. Einer Simulation zufolge könnten die Menschen nach dem Wegfall der Corona-Regeln anfälliger für andere Infektionskrankheiten sein. Experten halten das für Spekulation.

Die derzeitigen Hygiene- und Abstandsregeln senken nicht nur die Verbreitung von Covid-19, sondern auch die von anderen Infektionskrankheiten wie etwa Grippe und Erkältungen. Nach einer Simulationsstudie mahnen US-Forscher nun, der zeitweilig verringerte Kontakt zu anderen Krankheitserregern könnte nach Aufhebung der Corona-Maßnahmen dazu führen, dass Menschen für solche Infektionen anfälliger würden. Unabhängige deutsche Experten betonen, die Arbeit enthalte viele Spekulationen und solle nicht falsch interpretiert werden.

Die in vielen Ländern üblichen Corona-Maßnahmen wie Abstandhalten und Maskentragen schützten nachweislich vor Covid-19, schreibt das Team um die Epidemiologin Rachel Baker von der Princeton Universität (US-Bundesstaat New Jersey) in den «Proceedings» der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften («PNAS»). Das gelte auch für andere Infektionskrankheiten. «Ein Rückgang der Fallzahlen mehrerer respiratorischer Krankheitserreger wurde in letzter Zeit an vielen Orten weltweit beobachtet.»

Erst Ende Oktober - nach dem Ende des Winters auf der Südhalbkugel - hatten Forscher im Fachblatt «The Lancet» von einem historischen Tiefststand an Grippeerkrankungen in Australien und Neuseeland berichtet. Als Erklärung für das Phänomen verwiesen auch sie auf die Corona-Maßnahmen wie etwa Abstandhalten, Mund-Nasen-Schutz und Schulschließungen.

Das Team um Baker geht davon aus, dass solche Maßnahmen und der verminderte Kontakt zu Krankheitserregern die Anfälligkeit der Bevölkerung für verschiedene Infektionen später erhöhen können. Mit verschiedenen Modellen simulierten die Forscher, wie sich der Wegfall der Corona-Maßnahmen auf zwei saisonale Erreger auswirken könnte: Grippeviren vom Typ Influenza-A (IAV) sowie das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV), das Atemwegserkrankungen vor allem bei Kleinkindern auslöst. Ihrer Schätzung zufolge sank in den USA die Zahl der RSV-Übertragungen seit Einführung der Corona-Maßnahmen um etwa 20 Prozent.

Auf dieser Grundlage berechnen die Autoren, dass auch kurzzeitig geltende Maßnahmen zeitlich verzögert zu einem Anstieg der RSV-Infektionen führen könnten. In der Simulation für die USA und Mexiko würden demnach im Winter 2021/22 die meisten RSV-Fälle aufkommen. Hinsichtlich saisonaler Ausbrüche von Influenza A kam das Team zu ähnlichen Ergebnissen. Allerdings räumen die Autoren selbst ein, dass Prognosen zu Grippewellen vor allem aufgrund der Vielfalt dieser Viren und der unterschiedlichen Wirksamkeit vorhandener Impfstoffe problematisch seien.

Dies sei tatsächlich ein Schwachpunkt der Studie, sagt auch die Virologin Gülsah Gabriel vom Heinrich-Pette-Institut in Hamburg, die nicht an der Studie beteiligt war. «Influenza-A-Viren sind wandelbar und anpassungsfähig. Diese Virusevolution ist ein dynamischer
Prozess, der nicht modelliert werden kann.»

Auch der Infektiologe Bernd Salzberger vom Universitätsklinikum Regensburg wendet ein, derartige Dynamiken ließen sich in mathematischen Modellen kaum erfassen: «Es könnte zu einer
überschießenden Influenza-Welle kommen, aber auch das Gegenteil eintreten», sagt der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI). Die Aussagen der Studie seien spekulativ.

«Würden wir jetzt über drei Jahre alle Viren von uns fernhalten, dann wäre das sicher problematisch für unser Immunsystem», betont Salzberger. Allerdings würden die meisten Menschen nicht ständig etwa eine Maske tragen, sondern nur für kurze Zeit. Eine jahrelange Abstinenz von Krankheitserregern sei auch deshalb unrealistisch, weil verschiedene Impfstoffe gegen Sars-CoV-2 schon weit entwickelt seien.

Die Virologin Gabriel warnt insbesondere davor, die Studienergebnisse als Argument gegen die Corona-Maßnahmen fehlzuinterpretieren - etwa gegen das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes. Dieser sei zurzeit besonders wichtig, auch um das Risiko einer Koinfektion zu senken. Würde man sich etwa mit Influenzaviren und einem weiteren Erreger infizieren, falle die Kombination wesentlich schwerwiegender aus.

Zudem sollten sich vor allem Risikogruppen gegen Influenza impfen lassen. Daher sei es auch in den kommenden Wintern wichtig, ausreichend Influenza-Impfungen parat zu haben.

(dpa)

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