Die US-Wahlen sind ein Ereignis mit zahllosen Anekdoten und Randnotizen. Eine davon spielt sich traditionell im Mini-Dorf Dixville Notch in New Hampshire, nahe der kanadischen Grenze ab. Das Wahllokal von Dixville Notch ist das erste, das seine Ergebnisse bekannt gibt. Die örtlichen Wahlhelfer haben es damit nicht allzuschwer, denn Dixville Notch hat nur noch ganze zwölf Einwohner, gewählt haben fünf.
Um die Ergebnisse auch wirklich als erste verkünden zu können, hat man sich vor Jahren bereits darauf verständigt, um Mitternacht im "Grand Balsam Hotel" seine Stimmen abzugeben und direkt zu zählen - die Gesetze des Staats New Hampshire erlauben die frühe Uhrzeit für Gemeinden mit weniger als 100 Einwohnern. So auch im Jahr 2020. Nach wenigen Minuten war das Ergebnis verkündet:
Dixville Notch wählt in diesem Jahr mit fünf zu null Stimmen geschlossen Joe Biden. Man könnte dieses erste Ergebnis als Omen deuten, doch das "Orakel von Dixville Notch" liegt nicht immer richtig. 1992 erhielt George H. W. Bush 15, der spätere Sieger Bill Clinton nur zwei Stimmen. Auch 1996 wählte Dixville Notch "gegen den Trend" republikanisch (Bob Dole, der Clinton unterlag). Danach lag das Dorf viermal richtig (George W. Bush, Obama), bevor 2016 bei acht abgegebenen Stimmen vier auf Hillary Clinton und zwei auf Donald Trump entfielen -
wie wir wissen, kam es am Ende anders.
Tom Rüdell