Letztes Update:
20201029080550

Medientyp: Text FDP will Anti-Corona-Maßnahmen nicht ohne weiter Debatte mittragen

06:45
29.10.2020
Die FDP will die neuen Anti-Corona-Maßnahmen in Deutschland nicht ohne weitere Diskussion mittragen. Die Ministerpräsidenten hätten zum Teil unabgestimmt gehandelt, sagte ihr Parlamentarischer Geschäftsführer im Bundestag, Marco Buschmann, am Donnerstag im ARD-«Morgenmagazin». «Wir werden das jetzt nacharbeiten müssen.» Buschmann wandte sich dagegen, «das ganze Land über einen Kamm zu scheren». Bereits am Abend nach den Beschlüssen von Bund und Ländern sowie in der Nacht hätten «sehr harte Gespräche» stattgefunden. Nun sei die Frage, «wie diese Dinge im Landesrecht umgesetzt werden». Buschmann kündigte an, die FDP sei bemüht, «dort, wo wir mitregieren, die Parlamente stärker einzubeziehen». Dabei handelt es sich um Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz.

Im Kampf gegen eine unkontrollierte Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland hatten Bund und Länder am Mittwoch weitreichende Beschränkungen vereinbart. Mehrere Beteiligte hatten betont, für die Akzeptanz der Beschlüsse sei es wichtig, dass sie gemeinsam gefasst und getragen würden.

(dpa)

Intensivmediziner: Corona-Lage "absolut besorgniserregend"

05:39
29.10.2020
Die starke Zunahme der Corona-Infektionen ist nach Ansicht des Leiters der Intensivmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Stefan Kluge (52), «absolut besorgniserregend». «Wir müssen diesen Trend stoppen, die Politik muss handeln», sagte der Klinikdirektor mit Blick auf die neuen Kontaktbeschränkungen. «Uns bleibt keine andere Wahl.» Kluge warnte vor einer Überlastung der Krankenhäuser und Intensivstationen. In Berlin, Bayern und Nordrhein-Westfalen seien einige Kliniken schon gut mit Covid-19-Patienten belegt, andere Erkrankte würden bereits verdrängt. Eine Reihe von Krankenhaus-Mitarbeitern habe sich infiziert.

Ein Blick auf die derzeit nur langsam steigende Zahl der Todesopfer tauge nicht zur Einschätzung der aktuellen Lage. «Wir müssen auf die Zahl der Intensivpatienten gucken. Dann wissen wir, wohin die Reise geht», sagte Kluge, der Facharzt für Innere Medizin und Lungenheilkunde ist. Derzeit gehe die Kurve steil nach oben. Es dauere im Schnitt zehn Tage, bis Patienten mit Symptomen auf die Intensivstation verlegt werden müssten. Die Aufenthaltsdauer auf der Intensivstation bei beatmeten Patienten beträgt nach Angaben von Kluge zwei bis drei Wochen, Todesfälle träten meistens erst im Verlauf auf. Das bedeute, dass sich die Zahl der Neuinfektionen erst mit einer Verzögerung von drei bis vier Wochen auf die Zahl der Todesfälle auswirke.

Von den Infizierten müssten etwa fünf Prozent im Krankenhaus behandelt werden, zwei Prozent auf der Intensivstation. Über 70-Jährige hätten ein Todesrisiko von über 50 Prozent. Das Durchschnittsalter der Verstorbenen in Deutschland liegt laut Kluge bei 79 Jahren.

Ärzte und Pflegepersonal hätten seit Beginn der Pandemie viel gelernt. Es gebe neue Testverfahren, eine gute Ausstattung mit Schutzkleidung und Beatmungsgeräten sowie Behandlungserfolge mit dem Cortison-Präparat Dexamethason. «Deshalb sind wir auch prinzipiell gut vorbereitet», meinte Kluge.

Man könne vorhersehen, wie sich die Pandemie in den nächsten zwei bis drei Wochen entwickeln werde. «Darüber hinaus ist alles Kaffeesatzleserei.» Wie die Lage im Dezember und Januar aussehen werde, lasse sich nicht seriös sagen. «Es hängt extrem davon ab, was die Politik entscheidet und wie sich die Menschen jetzt verhalten», betonte der Leiter der Intensivmedizin am UKE.

(dpa)

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