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Foto: AFP/Kenzo Tribouillard In der wallonischen Stadt Liège sind die Intensivstationen der Krankenhäuser (im Bild das CHU de Liège) hoffnungslos überlastet.

Liège: "Wir sehen einen Tsunami kommen"

08:34
23.10.2020
Mit mehr als 250.000 registrierten Infektionen und 10.500 Todesfällen ist Belgien eines der am stärksten vom Corona-Virus betroffenen europäischen Länder. Hotspot der zweiten Infektionswelle ist derzeit die Provinz Liège im Osten des Landes. Am Universitätskrankenhaus CHU de Liège rechnen Ärzte mit dem Schlimmsten. "Am Mittwoch haben wir fast den Höchstwert der ersten Welle erreicht", sagt die Virologin Christelle Meurice. "Wir befürchten, dass die jüngsten Maßnahmen nicht ausreichen werden, um die Kurve abzuflachen. Wir sehen einen Tsunami kommen."

Belgien hatte jüngst einen Teil-Lockdown verhängt, Cafés und Restaurants im ganzen Land sind geschlossen und es gilt eine nächtliche Ausgangssperre. Doch laut Gesundheitsexperten sind diese Maßnahmen nicht ausreichend.

Im CHU, das über sechs Covid-Einheiten verfügt, stiegen die Krankenhauseinweisungen innerhalb einer Woche von 91 auf 155. Einige Patienten mussten bereits in andere Landesteile in Belgien oder nach Deutschland verlegt werden. Ein akuter Personalmangel, der auch durch einige Infektionen innerhalb der Belegschaft ausgelöst wurde, verschärft die Situation in Liège zusätzlich. Einige Ärzte und Krankenschwestern müssen sogar nach einem positivem Corona-Test weiter arbeiten, wie ein Intensivpfleger der Nachrichtenagentur AFP berichtet. "Niemand hat die Situation ernst genommen. Weder die Politiker noch die Bevölkerung."

Für Entlastung könnte nun die Errichtung eines Feldlazaretts sorgen. Am Freitag werden nach einer Sitzung des belgischen Conseil de sécurité weitere Ankündigungen erwartet.

Jörg Tschürtz