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20201117163103

Probleme mit deutscher Corona-Warn-App

12:39
24.07.2020
Nach Bekanntwerden von Problemen mit der Corona-Warn-App steht die Kommunikation des deutschen Gesundheitsministeriums in der Kritik.

„Es ist schon grob fahrlässig, dass das Gesundheitsministerium offenbar verschwiegen hat, dass die Warnung bei verschiedenen Geräten längere Zeit nicht erfolgte“, sagte Frank Sitta, der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende. Der digitalpolitische Sprecher der SPD, Jens Zimmermann, forderte im „Handelsblatt“ schnelle Aufklärung durch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

Einem Bericht der „Bild“ zufolge hatte die App auf Millionen Android-Smartphones wochenlang nur schlecht oder gar nicht funktioniert. Nutzer seien im Zweifel nicht oder zu spät gewarnt worden, hieß es, da sich die Anwendung im Hintergrund nicht immer automatisch aktualisiert habe.

Das Gesundheitsministerium hatte dazu erklärt, das Problem sei seit längerem bekannt und auch Thema in den Fragen-und-Antworten (FAQ) der App. Die Behörde versicherte, dass die App „zu jeder Zeit“ funktioniert habe. Bestimmte Android-Geräte hätten aber verhindert, dass Apps dauerhaft im Hintergrund laufen. „Das gilt nicht nur für die Corona-Warn-App, sondern für alle Apps auf diesen Smartphones.“ Auch ein Sprecher des Unternehmens SAP, das an der Entwicklung der App beteiligt war, sagte: „Es ist keine Fehlfunktion in der App.“

Die Corona-Warn-App soll helfen, Infektionsketten nachzuverfolgen und zu unterbrechen. Außerdem kann sie dazu beitragen, dass Menschen nach einem Coronavirus-Test möglichst schnell ihr Testergebnis digital erhalten und über die App anonym mögliche Kontaktpersonen warnen können, wenn diese auch die App installiert haben. Mittlerweile wurde die App 16,2 Millionen Mal heruntergeladen.

Jörg Tschürtz

Foto: Horst Galuschka/dpa via AFP Professor Alexander Kekulé.

"Luxemburg genauso gefährlich wie Ägypten"

10:43
24.07.2020
Der deutsche Virologe Alexander Kekulé hat sich für verpflichtende Corona-Tests für Urlaubsrückkehrer aus Risikogebieten ausgesprochen. „Wenn man an einen gefährlichen Ort reist und zurückfährt, dann sollte man sich dringend testen lassen. Da glaube ich, wäre es sinnvoll, das verpflichtend zu machen“, sagte Kekulé im Interview mit dem Hörfunkprogramm Bayern 2 am Freitag.

Verpflichtende Tests sollten auch dann gelten, wenn ein Nachbarland von Deutschland zum Risikogebiet erklärt werde, so der Virologe von der Universität Halle (Saale). „Wenn ein Nachbarland wirklich als echtes Risikogebiet ausgewiesen wird (..). Stichwort Luxemburg, dann ist das genauso gefährlich wie Ägypten.“

In Luxemburg wurden laut Angaben der europäischen Gesundheitsbehörde ECDC in den vergangenen 14 Tagen 1.233 Neuinfektionen registriert. In Ägypten, einem Land mit 98 Millionen Einwohnern, waren es im selben Zeitraum 11.159.  Ägypten zählt mit insgesamt 90.000 Fällen und 4.480 Toten zu den am heftigsten vom Corona-Virus gebeutelten Ländern im arabischen Raum.

Kekulé sprach sich zudem für verstärkte Kontrollen der Behörden im Urlaubsland aus. Hier müsse die Bundesregierung deutlich machen, dass sie das wolle. Auch für Berufspendler, die regelmäßig über eine Grenze fahren, müssten kluge technische Lösungen gefunden werden, sagte der Seuchenexperte. Mittels Chip sollten die Pendler "registriert werden, wenn sie rein und rausfahren".

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern beraten am Freitag über den Umgang mit Rückkehrern. Angedacht sind verpflichtende Tests an deutschen Flughäfen für Reisende, die aus Risikogebieten zurückkommen. Weltweit sind auf Basis der wissenschaftlichen Expertise des Robert Koch-Instituts (RKI) derzeit rund 130 Staaten als Corona-Risikogebiet eingestuft. Das betrifft etwa die Türkei, Luxemburg, Israel oder die USA. Nahezu die komplette EU und einige andere europäische Staaten wie die Schweiz fallen nicht darunter.

Jörg Tschürtz