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20201117163103

Russland mit mehr Corona-Neuinfektionen als im Frühjahr

10:52
09.10.2020
Die Zahl der neu gemeldeten Corona-Fälle in Russland hat die Rekordwerte aus dem Frühjahr überstiegen. Am Freitag wurden nach offiziellen Angaben binnen 24 Stunden mehr als 12.120 Infektionen registriert. Allein in der Hauptstadt Moskau wurden rund 3.700 neue Fälle gezählt. Im weltweiten Vergleich liegt Russland der US-Universität Johns Hopkins zufolge mit knapp 1,3 Millionen Infektionen auf Platz vier. Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus. Insgesamt gibt es 22.260 Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus - ein vergleichsweise niedriger Wert.

Die Behörden in der Hauptstadt reagierten auf die steigenden Zahlen mit verschärften Regeln. Unternehmen müssen jeden dritten Mitarbeiter ins Homeoffice schicken, was auch streng kontrolliert wird. Zudem wurden die Herbstferien für Schüler um eine Woche verlängert und Senioren sollen sich selbst isolieren. Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes wird in Supermärkten überprüft.

In Moskau galten im Frühjahr mehr als zwei Monate lang strenge Ausgangssperren. Daraufhin pendelten sich im Sommer die täglichen Neuinfektionen auf etwa 5.000 Fälle ein. Seit September steigen die Zählen wieder deutlich an. Die Behörden versicherten, dass bislang kein zweiter Lockdown geplant sei.

Jörg Tschürtz

Corona-Notstand: Slowakei ruft Armee zu Hilfe

10:03
09.10.2020
Weil die Corona-Infektionszahlen trotz des seit 1. Oktober geltenden Notstands rasant steigen, hat die slowakische Regierung den Einsatz der Armee beschlossen. Die Kapazitäten der Gesundheitsbehörden seien am Rand ihrer Möglichkeiten angekommen, erklärte Gesundheitsminister Marek Krajci am Freitag in Bratislava. Die Soldaten sollten bei Corona-Tests und dem Nachverfolgen von Kontakten Infizierter assistieren sowie das Krankenhauspersonal bei Routinetätigkeiten unterstützen.

Dafür habe die Regierung die Bereitstellung von 1.500 täglich einsetzbaren Soldaten beschlossen, sagte Verteidigungsminister Jaroslav Nad. Der populistisch-konservative Regierungschef Igor Matovic schloss nicht aus, dass ganze Regionen vorübergehend unter Quarantäne gestellt werden: „Diese Frage ist auf dem Tisch.“

Die Slowakei gehörte im Frühjahr zu den am wenigsten von der Pandemie betroffenen Ländern Europas. Seit Mitte September melden die Gesundheitsbehörden jedoch fast täglich neue Rekorde, obwohl das Land weniger testet als die meisten anderen EU-Länder. Am Freitag wurden zum zweiten Mal mehr als 1.000 Neuinfektionen pro Tag bestätigt. Die Zahl von 57 coronabedingten Todesfällen seit Ausbruch der Pandemie im März ist zwar gemessen an der Einwohnerzahl von 5,4 Millionen niedrig. Allerdings zählt die Slowakei nur Tote, bei denen keine andere Todesursache nachgewiesen werden kann.

Die häufigsten Infektionsherde waren zuletzt Hochzeiten und andere Familienfeiern. Regierungschef Matovic prangerte deshalb die „Disziplinlosigkeit“ eines Teils der Bevölkerung an. Gesundheitsexperten warfen indes der Regierung Missmanagement vor.

Jörg Tschürtz