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Corona-Neuinfektionen in Israel bleiben hoch

07:37
24.09.2020
Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus bleibt in Israel äußerst hoch. Wie das Gesundheitsministerium am Donnerstagmorgen mitteilte, wurden am Vortag 6808 neue Fälle registriert. Das ist nach den 6995 Infektionen vom Dienstag der zweithöchste jemals verzeichnete Wert.

Am Dienstag war zugleich die Marke von 200.000 bekannten Infektionen seit Ausbruch der Pandemie überschritten worden. Der Wert von 100 000 Fällen war in Israel erst am 20. August erreicht worden.

Seit Freitag gilt in Israel ein mindestens dreiwöchiger Lockdown. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat eine Verschärfung für zwei Wochen ab diesem Freitag angekündigt. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge stimmte das Kabinett dem Vorhaben zu. Details zu den Plänen lagen zunächst nicht vor.

In Berichten hieß es, neue Einschränkungen würden unter anderem Demonstrationen betreffen. Menschen dürfen demnach nur noch innerhalb eines Radius von einem Kilometer von ihrem Zuhause in Gruppen von maximal 20 Teilnehmern demonstrieren - bei Wahrung eines Abstands von zwei Metern zueinander. Eine Ausnahme soll es unter bestimmten Voraussetzungen für den wöchentlichen Protest nahe der Residenz Netanjahus in Jerusalem geben, wie die Zeitung „Haaretz“ berichtete.

Die Regierung will mit dem Lockdown eine Überlastung des Gesundheitssystems verhindern. Einzelne Kliniken mussten zuletzt Corona-Patienten zurückweisen, weil kein Platz für deren Behandlung war.

Die Pandemie verlief in Israel zunächst glimpflich, auch wegen eines strikten Kurses der Regierung. Nach Lockerungen im Mai, die von Experten kritisiert wurden, schnellten die Zahlen jedoch in die Höhe. Die Regierung appellierte wiederholt an die Menschen, sich an Vorschriften wie Mund-Nase-Bedeckungen und Abstandsregeln zu halten.

dpa

Virologe Drosten: "Die Pandemie wird jetzt erst richtig losgehen"

06:42
24.09.2020
Der Berliner Virologe Christian Drosten warnt in einem Interview im Vorfeld der im Oktober anstehenden Gesundheitskonferenz World Health Summit in Berlin davor, die Corona-Pandemie verfrüht als unter Kontrolle anzusehen.

"Die Pandemie wird jetzt erst richtig losgehen. Auch bei uns. Wir können höchstens von Lektionen aus der ersten Welle in Europa sprechen", kommentiert Drosten die aktuelle Lage in Deutschland: "Es werden schon Festtagsreden auf den deutschen Erfolg gehalten, aber man macht sich nicht ganz klar, woher er kam. Dieser Erfolg kam einfach daher, dass wir ungefähr vier Wochen früher reagiert haben als andere Länder. Wir haben mit genau den gleichen Mitteln reagiert wie andere. Wir haben nichts besonders gut gemacht. Wir haben es nur früher gemacht. Darum waren wir erfolgreich". 

Drosten warnt zudem vor politischem Opportunismus im Zusammenhang mit der Pandemie: "Es kann großen Schaden anrichten, wenn Politiker*innen die Dynamik einer Pandemie für politische Botschaften nutzen. Das ist sehr schwierig - das Virus serviert unmittelbar die Rechnung. Man sieht, was das in den USA anrichtet. Auch in Deutschland sehen wir die Konsequenzen".