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350 Ärzte werfen Serbiens Regierung Versagen in Corona-Pandemie vor

10:50
21.07.2020
350 serbische Ärzte haben der Regierung des Landes ein völliges Versagen beim Umgang mit der Corona-Pandemie vorgeworfen. „Wir wenden uns an die Öffentlichkeit, weil wir keinen anderen Ausweg aus der Gesundheitskatastrophe sehen, in der sich unser Land befindet“, schrieben die Mediziner in einem offenen Brief, den serbische Medien am Dienstag veröffentlichten.

In den letzten Wochen war die Zahl der Ansteckungen mit dem Corona-Virus dramatisch gestiegen. Allein von Sonntag auf Montag registrierten die Behörden in dem Sieben-Millionen-Einwohner-Land 359 neue Fälle. 190 Covid-19-Patienten müssen nach offiziellen Angaben derzeit künstlich beatmet werden. Seit Beginn der Pandemie wurde bei 21.253 Menschen das Virus Sars-CoV-2 nachgewiesen, das die Krankheit Covid-19 auslösen kann. 482 Patienten starben, zehn von ihnen in den letzten 24 Stunden.

In ihrem offenen Brief warfen die Ärzte der Regierung von Präsident Aleksandar Vucic vor, die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie zu abrupt und vorschnell gelockert zu haben. Im Ausnahmezustand, den Vucic Mitte März verhängt hatte, hatten strikte Ausgangssperren gegolten. Mit dessen Aufhebung Anfang Mai war jedoch plötzlich alles wieder erlaubt, bis zu Fußballspielen vor 18.000 Zuschauern und Parties in Nachtclubs. Am 21. Juni fanden außerdem Parlamentswahlen statt, die die SNS-Partei von Vucic haushoch gewann und denen Wahlkampfveranstaltungen vorausgegangen waren.

Dies, schrieben die Ärzte, habe zu einem „Kontrollverlust über die epidemologische Situation“ geführt, wovor Experten beständig gewarnt hätten. Zudem sollen die Behörden die wahren Daten verschleiert haben. Kritiker aus den Reihen der Ärzteschaft seien eingeschüchtert und bedroht worden.

dpa

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