Bei Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen ist es nach Angaben der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) zu etlichen antisemitischen Vorfällen gekommen. Allein im Zeitraum von Mitte März bis Mitte Juni hat es bei 123 solcher Kundgebungen und Demonstrationen antisemitische Äußerungen gegeben, wie aus einem am Dienstag veröffentlichten Bericht des RIAS-Bundesverbands hervorgeht. Dazu gehören etwa die antisemitische Bezugnahme auf den Nationalsozialismus oder die Verwendung von antisemitischen Verschwörungsmythen.
Von 431 antisemitischen Vorfällen im gleichen Zeitraum hatte fast die Hälfte (191) einen Bezug zur Corona-Pandemie, wie in dem Bericht weiter ausgeführt wird. So habe beispielsweise ein Mann, der mit einem Beutel mit einem abgedruckten Davidsstern einkaufen ging, gehört, wie ein anderer Kunde sagte: „Die waren das mit dem Virus.“
Im Zuge der Pandemie habe sich Antisemitismus auch in den digitalen Raum verschoben, heißt es weiter. So sei auch das Phänomen des „Zoombombings“ aufgekommen, bei dem etwa Videokonferenzen jüdischer Gemeinden gestört wurden. In den ersten vier Wochen der Kontaktbeschränkungen seien mindestens sieben solcher Fälle registriert worden.
Der RIAS-Bundesverband erfasst antisemitische Vorfälle mittels eines Online-Melderegisters. Er wurde 2018 in Berlin gegründet. Die Meldestelle geht davon aus, dass es gerade im Bezug auf Antisemitismus bei Protesten eine hohe Dunkelziffer geben dürfte.