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Konjunktur-Erholung im nächsten Jahr - falls Lockdown ausbleibt

13:29
25.09.2020
Arbeitsmarkt und Konjunktur in Deutschland werden sich laut einer Prognose des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) im kommenden Jahr vom Corona-Schock erholen - allerdings nur, wenn eine Insolvenzwelle ausbleibt und es nicht zu einem zweiten Shutdown kommt. Das an die Bundesagentur für Arbeit angegliederte Institut ermittelte in seiner Herbstprognose für das laufende Jahr einen coronabedingten Rückgang der Wirtschaftsleistung um 5,2 Prozent. Die Zahl der Arbeitslosen werde im Jahresschnitt um 440 000 zunehmen.

Im kommenden Jahr könnte der Prognose zufolge die Wirtschaftsleistung wieder um 3,2 Prozent zulegen, die Zahl der Arbeitslosen im Durchschnitt um 100 000 sinken. «Der Arbeitsmarkt geriet massiv unter Druck, die Verschlechterung blieb angesichts des immensen wirtschaftlichen Schocks jedoch vergleichsweise begrenzt. Der Arbeitsmarkt stürzte auch aufgrund der Stabilisierungsmaßnahmen nicht ins Bodenlose», sagte Enzo Weber, Leiter des IAB-Forschungsbereichs «Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen».

Noch keine Erholungseffekte sagen die Experten im nächsten Jahr für das Gastgewerbe und den Einzelhandel voraus. Dort werde sich der Arbeitsmarkt auf dem Niveau von 2020, wofür ein Verlust von 230 000 Arbeitsplätze in der Branche geschätzt wird, stabilisieren, die im laufenden Jahr erlittenen Verluste aber nicht ausgleichen können. Gleiches gelte für den Bereich «sonstige Dienstleistungen», wozu die Ausrichtung von Sport- und Kulturevents zählt - hier wird für das laufende Jahr ein Verlust von 110 000 Arbeitsplätzen prognostiziert. Im verarbeitenden Gewerbe, insbesondere in der Automobilbranche und bei deren Zulieferern, fallen der IAB-Prognose zufolge im laufenden Jahr 160 000 Arbeitsplätze weg, im nächsten Jahr noch einmal 60 000.

Beschäftigungszuwächse erwarten die IAB-Forscher dagegen vor allem im Bereich «Öffentliche Dienstleister, Erziehung und Gesundheit» (je 190 000 Jobs in beiden Jahren). Zuwächse erwarten die Experten auch in der Kommunikationsbranche, vor allem durch zunehmende Digitalisierung und die Vernetzung von Produktions- und Dienstleistungsprozessen.

Dauerthema für die Unternehmen in Deutschland bleibt trotz konjunktureller Risiken der Fachkräftemängel. Das Potenzial an Erwerbstätigen wird im laufenden Jahr um 100 000 und im nächsten Jahr noch einmal um 50 000 schrumpfen, heißt es in der Prognose.

(dpa)

London: Absichtliche Corona-Infektionen für Impfstoff-Tests geplant

09:49
25.09.2020
In London sollen einem Bericht zufolge Menschen für Impfstoff-Tests absichtlich mit dem Coronavirus infiziert werden. Gesunde, erwachsene Freiwillige sollen dabei im neuen Jahr unter kontrollierten Quarantäne-Bedingungen dem Coronavirus ausgesetzt werden, nachdem sie einige Wochen zuvor einen potenziellen Impfstoff verabreicht bekommen haben, wie die «Financial Times» unter Berufung auf Projektbeteiligte schreibt. Man arbeite mit Partnern zusammen, um mithilfe von «Human Challenge»-Tests die Entwicklung von Impfstoffen zu beschleunigen, bestätigte ein Regierungssprecher der Deutschen Presse-Agentur in London.

«Human Challenge Trials» - so lautet der englischsprachige Fachbegriff - haben den Vorteil, dass die Wirksamkeit eines Impfstoff unmittelbar festgestellt werden kann. Im Gegensatz dazu sieht das übliche Verfahren vor, oft Zehntausende Menschen zu impfen und dann zu schauen, ob sich weniger Menschen auf natürliche Weise infizieren als in einer ungeimpften Kontrollgruppe.

«Human Challenge Trials» sind unter Wissenschaftlern allerdings umstritten. Einige betonen den großen Nutzen, den solche Studien für eine ganze Gesellschaft haben könnten. Andere äußern ethische Bedenken und verweisen auf enorme gesundheitliche Risiken, die die Infektion mit einem in vieler Hinsicht noch unerforschten Erreger wie Sars-CoV-2 haben könnte.

Das federführend von dem Londoner Imperial College geleitete Projekt soll in der kommenden Woche offiziell vorgestellt werden und im Januar beginnen. Dem Bericht zufolge handelt es sich dabei um die ersten Versuche dieser Art weltweit. Über die US-amerikanische Organisation 1DaySooner, die sich für Challenge-Studien am Menschen stark macht, sollen sich bereits rund 2000 Freiwillige für ein solches Projekt in Großbritannien gefunden haben. Bislang waren Pläne für solche Tests vor allem theoretischer Natur.

Etliche potenzielle Impfstoffe gegen das Coronavirus werden weltweit bereits getestet. Einige aussichtsreiche Vakzine befinden sich bereits in der wichtigen Testphase III, in der überprüft wird, ob das Mittel nicht nur verträglich, sondern auch tatsächlich wirksam ist.

(dpa)

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