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Corona: Drosten präzisiert Vorschläge für verkürztes Zuhausebleiben

16:21
04.09.2020
Der Berliner Virologe Christian Drosten hat seine Vorschläge für den Umgang mit Corona-Infizierten und Verdachtsfällen präzisiert. In einer Mail an die Deutsche Presse-Agentur ging er am Freitag auf einen von ihm vorgeschlagenen «Notfallmodus» für den Fall ein, «wenn die Gesundheitsämter die Fallverfolgung nicht mehr leisten können, die Inzidenz steigt, und deshalb ein Lockdown unausweichlich erscheint».

Die Gesundheitsämter sollen sich dann laut Drosten auf sogenannte Quellcluster konzentrieren, also auf Gruppen, in denen sich ein Infizierter angesteckt haben könnte. «Ich führe den Begriff "Abklingzeit" ein, weil in dieser Notfallsituation ein Quellcluster weitgehend unbestätigt isoliert wird und man einfach annimmt, dass die meisten Mitglieder infiziert sind», schreibt Drosten. «Ich empfehle hier das Vorgehen wie bei der Einzelisolation: Fünf Tage Isolierung, danach Testung.» Er empfehle die kurze Zeit von fünf Tagen, weil in Quellclustern die meisten Infizierten zu einem einzigen Zeitpunkt infiziert worden seien.

Drosten hatte zu diesem Thema auch in einem am Dienstag veröffentlichen Podcast des NDR gesprochen. Die Deutsche Presse-Agentur hatte berichtet, dass Drosten sich für eine Verkürzung der Quarantänezeit für Menschen mit Verdacht auf eine Coronainfektion von 14 auf 5 Tage ausspricht - ohne explizite Erwähnung der genauen Umstände einer solchen Maßnahme.

Für nachgewiesen Infizierte empfiehlt Drosten in seiner Mail: «Ab dem Zeitpunkt der Diagnose geht der Patient noch fünf Tage in Heimisolierung. Dann erfolgt eine Testung und bei niedriger Viruslast eine Aufhebung der Isolierung. Optional kann man auch ohne Freitestung die Isolierung aufheben, denn die Virusausscheidung ist meist schon vorbei.» Dies gelte nur für milde Fälle mit geringem Risiko der Verschlechterung. Bislang gilt laut RKI, dass Infizierte frühestens 10 Tage nach Symptombeginn aus der Isolation dürfen.

Personen mit Verdacht auf eine Infektion müssen derzeit 14 Tage in Quarantäne. Dazu schreibt Drosten: «Derzeit läuft eine Diskussion auf EU-Ebene, ob man die 14 Tage auf 10 Tage reduzieren kann. Ich denke, das geht. Ich kann mir auch vorstellen, dass man sogar noch ein paar Tage weiter reduzieren kann, zum Beispiel auf sieben Tage.» Man könne sich ausrechnen, welchen Anteil derjenigen Personen, deren Infektion während der 14-tägigen Quarantäne ausbricht, man dann verpasst. «Wieviele verpasste Infektionen man zulassen will, ist eine politische Entscheidung. Denn man kann nicht jede Infektion verhindern und muss es aus epidemiologischen Gesichtspunkten auch nicht, wenn nur das Ziel ist, die exponentielle Ausbreitung zu unterbinden.»

(dpa)

Verkehrsminister beraten höheres Entgelt für Maskenverweigerer

16:06
04.09.2020
Die Verkehrsminister der Länder beraten am kommenden Mittwoch (9.9.) über ein erhöhtes Beförderungsentgelt für Maskenverweigerer im Regional- und Fernverkehr. Das teilte ein Sprecher der saarländischen Ressortchefin Anke Rehlinger (SPD) am Freitag der Deutschen Presse-Agentur mit. Rehlinger ist Vorsitzende des Gremiums.

Rehlinger machte erneut deutlich, dass sie skeptisch ist: «Wer sich unsolidarisch verhält und keine Maske trägt, der muss mit einem Bußgeld rechnen. Ich halte es für falsch, die Umsetzung den Verkehrsunternehmen aufzubürden. Schaffner sind keine Hilfssheriffs, sie können ermahnen, aber für Bußgelder sind nun mal Polizei und Ordnungsämter zuständig. Wir sollten das den Angestellten in Bus und Bahn nicht zumuten. Für Bußgelder ist der Staat zuständig.»

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder hatten über ein geplantes weitgehend einheitliche Bußgeld von mindestens 50 Euro für Maskenverweigerer hinaus vereinbart: «Die Verkehrsminister von Bund und Ländern werden gebeten zu prüfen, wie für alle Verkehrsträger im Regional- und Fernverkehr die Voraussetzungen dafür geschaffen werden können, dass ein - wie ein Bußgeld wirkendes - erhöhtes Beförderungsentgelt eingeführt werden kann.»

Dies war auf scharfe Kritik etwa bei der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) gestoßen. Der kommissarische Vorsitzende der EVG, Klaus-Dieter Hommel, hatte erklärt: «Es ist unverantwortlich, den Beschäftigten in den Zügen diese zusätzliche Aufgabe aufzubürden. Die Kolleginnen und Kollegen arbeiten am Anschlag und sind bereits jetzt extrem belastet.» Seit Wochen nähmen Pöbeleien und Übergriffe gegenüber Zugbegleitern zu, wenn diese nur auf die Maskenpflicht in Zügen verwiesen. «Wenn sie jetzt von Maskenverweigerern ein erhöhtes Beförderungsentgelt verlangen sollen, würde das das Konfliktpotenzial noch einmal vervielfachen. Eine Maskenpflicht könne nur von der Bundespolizei durchgesetzt werden.»

(dpa)

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