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Jeder Zweite will keine Corona-Warn-App installieren

14:58
02.09.2020
Die Corona-Warn-App des Bundes stößt in der Bevölkerung weiterhin auf große Vorbehalte, obwohl Experten ihr einen spürbaren Beitrag zur Eindämmung der Pandemie bescheinigen. In einer Umfrage im Auftrag des Technikverbandes gfu gaben 52 Prozent der Befragten an, sie wollten die App des Robert Koch-Instituts (RKI) nicht installieren. Die Studie mit 2000 Befragten wurde am Mittwoch im Vorfeld der Technikmesse IFA veröffentlicht.

Knapp die Hälfte (48 Prozent) erklärte, die App habe für sie keinen persönlichen Mehrwert. Ein Drittel (33 Prozent) bezweifelte, dass die Daten ausreichend geschützt sind. Dabei hatten Datenschützer und auch Nicht-Regierungsorganisationen wie der Chaos Computer Club das Datenschutzkonzept der App zum Start ausdrücklich gelobt. Knapp ein Drittel (30 Prozent) befürchtet Eingriffe in die Selbstbestimmung.

Patrick Schmich, der Leiter des Epidemiologischen Daten- und Befragungszentrums am RKI sagte auf der IFA-Veranstaltung «gfu Insights & Trends», eine höhere Installationsquote sei natürlich wünschenswert. Man habe aber diese im weltweiten Vergleich sehr hohen Downloadzahlen nur erreicht, weil man die Datenmenge auf das Mindestmaß reduziert und auf ein strenges Datenschutzkonzept gesetzt habe. Außerdem sei die Corona-Warn-App nur ein Instrument zur Pandemie-Bekämpfung, neben sozialer Distanz und einer Mund-Nasen-Bedeckung.

Die Anwendung des RKI gehört mit knapp 18 Millionen Downloads in Deutschland zu den erfolgreichsten Anwendungen in den App Stores von Apple und Google. Rund ein Drittel (35 Prozent) der Befragten hatte die App bereits runtergeladen oder plante dies. 13 Prozent gaben an, dass eine Installation der App bei ihnen technisch nicht möglich sei. Insgesamt bewerteten die Nutzer die App eher positiv. Fünf Prozent sind damit eher unzufrieden und nur drei Prozent völlig unzufrieden.

Schmich wies darauf hin, dass inzwischen 120 Labore für die Übertragung der Testergebnisse an die App angeschlossen seien. Bislang seien bereits über 300 000 Testergebnisse in der App bereitgestellt worden. Bei den Telefon-Hotlines, die zur App angeboten werden, seien inzwischen rund 250 000 Anrufe aufgelaufen und beantwortet worden.

Am Dienstagabend hatten Apple und Google das technische Fundament der App erweitert. Die Tech-Konzerne geben Regierungen nun die Möglichkeit, eine Corona-Warn-Infrastruktur auf Smartphones auch ohne eine gesonderte App aufzusetzen. Google integriert dafür die nötige Funktionalität direkt in Play Services des Betriebssystems Android, Apple in die Version 13.7 des iOS-Systems seiner iPhones. Die Nutzer werden gefragt, ob sie an der Nachverfolgung teilnehmen wollen. Ohne eine aktive Zustimmung wird die Tracing-Funktion nicht aktiv. Bestehende Corona-Warn-Apps werden weiterhin funktionieren.

(dpa)

Experte: Neue Corona-Schnelltests nicht absolut zuverlässig

14:22
02.09.2020
Die angekündigten Corona-Antigen-Schnelltests des schweizerischen Pharmakonzerns Roche sollten einem Experten zufolge mit Bedacht bewertet werden. «Wir können bei den Antigen-Schnelltests nicht sichergehen, dass sie immer ein richtiges Ergebnis liefern», sagte Matthias Orth, Chefarzt des Instituts für Laboratoriumsmedizin im Marienhospital in Stuttgart, am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur.

Das Unternehmen Roche hatte zuvor mitgeteilt, dass die Schnelltests noch im laufenden Monat auf den Markt kommen sollen. Das Testergebnis stehe in der Regel in 15 Minuten fest und die Zuverlässigkeit sei sehr hoch.

Orth sagte, dass die Zuverlässigkeit vor allem an der Spezifität und der Sensitivität von Tests gemessen werde. Da es viele verwandte Corona-Viren gebe, sei es wichtig, dass ein Test spezifisch Sars-CoV-2 erkenne. Gleichzeitig müsse ein verlässlicher Test empfindlich genug sein, um auch bei einer geringen Anzahl von Viren diese zu erkennen. Roche zufolge liegt die Spezifität der neuen Antigen-Tests bei etwa 99.68 Prozent und die Sensitivität bei 96.52 Prozent.

«Die Zahlen hören sich zu gut an», so Orth. Bei anderen Studien mit Antigen-Tests lägen die Werte bei etwa 80 Prozent. Unterschiedliche Werte ergäben sich etwa abhängig davon, ob symptomatische oder Infizierte ohne Symptome getestet werden. «Ein Antigen-Test ist nie so genau wie ein PCR-Test.»

PCR-Tests sind die derzeit gängigste Test-Variante. Dabei werden die Proben im Labor auf Genmaterial der Viren untersucht. Bei einem Antigen-Test werden Orth zufolge Proteine nachgewiesen, die von den Viren produziert werden. Die Proteine seien aber eben nicht so unterschiedlich zwischen den verschiedenen Viren-Familien.

Allerdings sei die Genauigkeit der PCR-Tests auch nicht immer von Vorteil: Eine PCR-Testung könne auch «Viren-Leichen» nachweisen, also Rückstände von Viren. Dann falle der Test positiv aus, aber der Träger sei mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht mehr infektiös.

Die geringere Empfindlichkeit der Antigen-Tests führe dazu, dass die Tests eher bei einem stärkeren Virenbefall anschlagen. «Daher kann es sein, dass der Antigen-Test mehr die Infektiosität nachweist als der PCR-Test. Das ist ein gewisser Vorteil», so Orth. Demnach wäre der Einsatz solcher Tests bei gesunden Menschen sinnvoll - wie beispielsweise bei regelmäßigen Testungen von Schülerinnen und Schülern.

«In der Patientendiagnostik und bei Reiserückkehrern haben die Antigen-Tests aber nichts verloren», so Orth. Zu hoch sei das Risiko, dass man bei vorerkrankten Menschen grünes Licht gebe, obwohl eventuell eine Infektion vorliegt - und es dann zu einem Notfall kommt. Die Schnelltests seien also in manchen Bereichen eine sinnvolle Ergänzung, könnten aber die PCR-Testungen nicht ersetzen.

Die Antigen-Schnelltests könnten der Unternehmens-Mitteilung zufolge ohne Laborinfrastruktur durchgeführt werden. Für Orth eine kritisch zu sehende Aussage: Theoretisch sei das zwar möglich, aber da die Entnahme der Probe schmerzhaft sein könne, sei er sich unsicher, dass sie tatsächlich immer korrekt ausgeführt werde - also die Stäbchen wirklich tief in den Rachen oder die Nase gesteckt werden.

Zudem sehe das Infektionsschutzgesetz in Deutschland vor, dass nur Ärztinnen und Ärzte eine Infektion nachweisen dürfen. Daher werden die Tests vermutlich nicht an Apotheken geliefert. Doch es könne sein, dass nach der Markteinführung Arztpraxen fortan den Test anbieten. Laut Roche stehen monatlich 40 Millionen Schnelltests zur Verfügung. Diese Kapazität werde sich bis Ende des Jahres mehr als verdoppeln.

Der Test soll laut den Angaben Ende September zunächst in Europa (Länder mit CE-Kennzeichnung) lanciert werden. Es sei aber geplant, auch in den USA bei der zuständigen Behörde FDA eine schnelle Zulassung (Emergency Use Authorisation) zu beantragen. 

(dpa)

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