Facebook startet einen groß angelegten Angriff auf
die Dominanz der Google-Plattform YouTube bei Online-Videos. Das
Online-Netzwerk macht sein Konkurrenz-Angebot Watch auf einen Schlag
fast überall auf der Welt verfügbar. Bisher war die
Facebook-Plattform seit einem Jahr nur in den USA aktiv. Bei Watch
werden Videos aus Facebook-Seiten an einem Ort gebündelt. Facebook
zeigt aber zum Beispiel auch an, welche Videos Freunden gefallen
haben oder von ihnen geteilt wurden.
Auf Watch erwartet die Nutzer zum einen ein personalisierter Video-Feed und zum anderen eine Watch-Liste mit allen von ihnen abonnierten Seiten, die Videoinhalte veröffentlicht haben. Darüber hinaus werden mit der Zeit soziale Video-Features wie Watch Partys, Premieren und weitere interaktive Video-Tools auf die Videoplattform entwickelt. Alle Videos, die auf verifizierten Facebook-Seiten sowie nicht-verifizierten Seiten mit mehr als 5.000 Fans veröffentlicht wurden, können auf Watch angezeigt werden.
Monetarisierung von Videos
Mit der Einführung von Watch möchte Facebook Creator und Videoproduzenten in zwei Bereichen untersützen: Bei der Monetarisierung ihrer Videos mit Werbepausen und ein neues Creator Studio, dem Analyse-Tool mit detailliertere Informationen, wie Inhalte bei den Menschen ankommen. Facebook behält 45 Prozent der
Werbeerlöse. Das Video-Monetarisierungsprogramm ist bisher in den USA, Großbritannien, Irland, Neuseeland und Australien vollständig eingeführt und für entsprechend geeignete Seiten verfügbar. Im September wird das Programm unter anderem auch nach Deutschland ausgeweitet. Weitere Länder folgen.
"Wir wissen, dass es eine gewaltige Konkurrenz um die Zuschauer
gibt", räumte die zuständige Facebook-Managerin Fidji Simo ein.
YouTube gilt als klare Nummer eins bei Internet-Video.
Facebook ist auch in Gesprächen mit der Fernsehbranche
und wirbt unter anderem mit der Aussicht auf eine stärkere
Personalisierung des TV-Konsums für die Plattform. Facebook mit
seinen über zwei Milliarden Nutzern weltweit wolle der Ort sein, an
dem Videoinhalte gemeinsam mit Freunden und Familie angesehen und
diskutiert werden. Umfragen und Abstimmungen sollen die Zuschauer
stärker einbinden - bis hin zu Entscheidungen, welche Richtung eine
Geschichte nehmen soll.
Um ein Video montarisieren zu können, gibt es mehrere Voraussetzungen:
- die Videos müssen mindestens drei Minuten lang sein
- in den letzten zwei Monaten insgesamt mehr als 30.000 1-Minuten-Ansichten vorweisen
- mindestens 10.000 Facebook-Follower
- Facebook-Monetarisierungsrichtlinien erfüllen
- und sich in einem Land befinden, in dem Werbepausen verfügbar sind. Creator und Videoproduzenten können über diesen Link prüfen, ob sie teilnahmeberechtigt sind und hier die Teilnahme beantragen
In den USA bereits erfolgreich
In den USA besuchten inzwischen monatlich 50 Millionen Nutzer die
Watch-Plattform für mindestens eine Minute, sagte Simo. Die Länge der insgesamt angesehen Videos sei 14 Mal höher als zu Jahresbeginn. In den USA gibt es auch Eigenproduktionen speziell für Watch, in Europa ist das bisher nicht geplant. Wie auch die anderen Facebook-Dienste wird Watch nicht in China sowie Ländern wie Nordkorea verfügbar sein.
Watch startet im Rest der Welt zunächst auf Smartphones mit dem Google-System Android, Apples iPhones sollen folgen. Fernsehgeräte stünden ebenfalls im Fokus, sagte Simo. Facebook hat bereits eine Video-App für vernetzte Fernseher und Streaming-Boxen. Für Facebook soll Watch auch das Problem lösen, dass die Newsfeeds der Nutzer stärker auf Beiträge von Familie und Freunden ausgerichtet wurden. Damit wurden Videos dort weniger sichtbar - und das schränkt auch die Möglichkeiten zum Geldverdienen mit Werbung ein.
Lead-Redaktion/dpa