Was Florence Foster Jenkins in der Musik, das ist Friederike Kempner in der Literatur. Die eine wurde als „Diva der falschen Töne“ oder „Königin der Dissonanzen“ belächelt, die andere als „Genie der unfreiwilligen Komik“. Beide haben konsequent ihren Traum von Kunst gelebt.
Friederike Kempner meinte es ernst in ihren Versen – und griff ständig daneben. Als sie 1904 mit 68 Jahren starb, hatten ihre Gedichte bereits acht Auflagen erreicht. Allerdings waren an diesem unverhofften Erfolg ihre Verwandten beteiligt. Um das Gelächter, das über die Familie hereinbrach, einzudämmen, versuchten sie alle erreichbaren Exemplare aufzukaufen. Die Stimme des „schlesischen Schwans“ erwies sich aber als unsterblich, und die gefühlvoll hingetupften lyrischen Pointen offenbaren gerade in der Fehlzündung ihren unverwelklichen Charme.
Julian Nejkow ist Deutsch-Bulgare mit Bindestrichidentität und Politikwissenschaftler. Über Umwege in Görlitz gestrandet, fühlt er hier ein wenig Nostalgie und ein wenig Ostalgie. Sein Ziel ist, die Menschen wieder ins Gespräch zu bringen. Dafür geht er gangbare, längst eingestaubte und zuweilen ganz neue Pfade. Jeder ist willkommen, ein Stück des Weges mitzugehen.
Julian Nejkow liest beim Schlesischen Nachtlesen 2019 im Café Kugel „Friederike Kempner, der schlesische Schwan“ von Gerhart H. Mostar. Vor Lachfaltengefahr wird gewarnt.
Im Bild: Julian Nejkow (Fot. Paul Glaser), Friederike Kempner (Wikipedia)