Faksimile-Ausstellungen zum Breslauer Psalter 2018/19 beginnen im Schlesischen Museum zu Görlitz
Um 1263 konnte die schlesische Herzogin-Witwe Anna für ihren Sohn Heinrich III. eine neue Frau gewinnen: Helene, die Tochter des Herzogs von Sachsen. Als Geschenk für die Braut ließ sie einen verschwenderisch ausgestatteten Prachtpsalter anfertigen. Ein anderer Sohn, Władisław, eben erst zum Erzbischof von Salzburg gewählt, organisierte ihr dafür an seinem Studienort Padua einen hochbegabten Buchmaler-Meister. Nach dessen Vorgaben arbeitete vermutlich im Kloster Leubus ein ganzes Team von einheimischen und fremden Buchmalern aus Schlesien, Böhmen, Venedig, Bologna und Mitteldeutschland für den herzoglichen Hof und schuf ein wahrhaft europäisches Kunstwerk, bei dem die verschiedenen Einflüsse aus Ost und West, Nord und Süd in harmonischer Weise zusammenkamen: den Breslauer Psalter.
Nach dem Tod ihres Mannes 1266 scheint Helene Schlesien verlassen und dabei auch ihr Hochzeitsgeschenk mitgenommen zu haben. Danach verliert sich die Spur. Erst Ende des 18. Jahrhunderts taucht die Handschrift in England wieder auf. Seit 1950 wird sie als besonderer Schatz im Fitzwilliam Museum in Cambrigde (UK) verwahrt.
Nach mehr als 750 Jahren ist der Breslauer Psalter nun jedoch als originalgetreues Faksimile wieder nach Schlesien zurückgekehrt. Am 21. September 2018 übergaben Vertreter des Quaternio Verlags Luzern den bei ihnen erschienenen Faksimileband an Dr. Maciej Łagiewski, den Direktor des Stadtmuseums in Wrocław / Breslau, wo der Psalter künftig in der historischen Dauerausstellung zu sehen sein wird.
Dies war der Auftakt zu einer kleinen Ausstellungsserie, deren erste Station das Schlesische Museum zu Görlitz ist. Hier wird dieses mittelalterliche Glanzlicht europäischer Buchkunst vom 3. bis 25. November in einer Sonderausstellung präsentiert. Weitere Stationen werden 2019 Potsdam, Marburg und die Universitätsbibliothek Wrocław sein.
Beitrag von Matthias Krüger, Quaternio Verlag Luzern
Die Fotos zeigen die Übergabe des Faksimile-Bandes an Museumsdirektor Dr. Maciej Łagiewski in Breslau am 21.9.2018.