Auf dem Tisch der Inventarisierung liegt ein kleines Fotoalbum mit sechs Breslauer Motiven. Es enthält stimmungshafte Schwarz-Weiß-Aufnahmen der wenig bekannten Künstlerin Johanna Pistorius. Die am 6. Juli 1881 in Bautzen geborene Johanna Pistorius wollte eigentlich Lehrerin werden, was aber am Widerstand der Familie scheiterte. Sie wandte sich daraufhin der bildenden Kunst zu, studierte bei Hans von Hayek in Dachau und George Mosson in Berlin und kam dann in das Atelier von Wilhelmine Melzer nach Breslau. Hier wurde sie Mitglied im Verein Schlesischer Künstlerinnen. Außerdem war sie zeitweilig im Vorstand des Bundes deutscher und österreichischer Künstlerinnenvereine tätig. Ihre Landschaften und Blumenbilder waren auf zahlreichen Ausstellungen zu sehen.
Vermutlich wandte sich Pistorius aus wirtschaftlichen Gründen in den 1920er-Jahren der Fotografie zu. Bisher sind aber nur wenige, sehr stimmungsvolle Fotografien vom Wohnhaus und Garten der Landschaftmalerin Gertrud Staats bekannt. Hier im Atelieranbau von 1890 befand sich ihr Fotoatelier.
Das neu erworbene, von der Künstlerin selbst gestaltete Fotoalbum enthält drei Fotoaufnahmen vom Jahrhunderthallen-Gelände und drei von der Dominsel. Laut handschriftlicher Widmung stellte sie das Album 1940 als Geschenk für den beliebten Sänger Heinrich Schlusnus zusammen. Vermutlich hatte sie ihn als große Musikliebhaberin in Breslau gehört.
© Fotos: Schlesisches Museum zu Görlitz