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Baden-Württemberg: Metallindustrie leidet unter Corona-Krise

13:07
08.05.2020
Nachfrageflaute, Umsatzeinbruch, Kurzarbeit: Die Metall- und Elektroindustrie glaubt nicht daran, dass die Konjunktur ohne Hilfe der Politik wieder anspringt. Die Gewerkschaft wittert einen Angriff auf die Rechte der Beschäftigten.

Die Metall- und Elektroindustrie ächzt immer stärker unter den Folgen der Coronavirus-Krise und fordert von der Politik ein umfassendes Programm zur Unterstützung der Unternehmen. «Der Konjunkturmotor springt nicht von alleine wieder an», sagte der Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands Südwestmetall, Peer-Michael Dick, am Freitag in Stuttgart. Nötig seien unter anderem Kaufanreize, um die Konjunktur wieder in Schwung zu bringen - nicht nur für die Autoindustrie.

«Das alleine kann es nicht retten», sagte Dick. «Da muss viel mehr passieren.» Und schnell müsse es gehen, weil die Verbraucher ihre Kaufentscheidungen sonst zu lange aufschöben. «Wer jetzt noch lange zögert, wird eher Schaden anrichten als Nutzen», warnte Dick.

Zudem müsse mehr getan werden, um die Zahlungsfähigkeit der Firmen zu erhalten, etwa durch Stundung von Sozialversicherungsbeiträgen und mehr Möglichkeiten zur Verrechnung von Verlusten oder zur Senkung von Kosten etwa für das aufgestockte Kurzarbeitergeld. Es dürfe auch keine weiteren «kostspieligen sozialen Wohltaten» geben. Außerdem müssten mehr Menschen auf Corona getestet und Infektionen besser nachverfolgt werden.

Einer Südwestmetall-Umfrage zufolge sind mittlerweile knapp zwei Drittel der Betriebe in Kurzarbeit. Im Schnitt wird ein Umsatzrückgang im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 20 Prozent erwartet. Knapp die Hälfte der befragten Unternehmen geht davon aus, dass in absehbarer Zeit Kündigungen nötig werden könnten. Die Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg beschäftigt rund eine Million Menschen.

Die Landesregierung signalisierte Unterstützung: «Es ist mein klares Ziel, unsere mittelständische Struktur möglichst unbeschadet durch diese schwere Krise zu bringen», sagte Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU). Dabei müssten vor allem auch diejenigen Betriebe mit dringend benötigtem Eigenkapital versorgt werden, die keinen schnellen Zugang zu Krediten der KfW haben.

Die IG Metall sieht in den Forderungen hingegen «einen Angriff auf Arbeitnehmerrechte, Tarifverträge und die Mitbestimmung». «Die Arbeitgeber wollen die Gunst der Stunde nutzen, um tarifpolitische Errungenschaften zurückzudrehen und die Beschäftigten die Zeche zahlen zu lassen», kritisierte Bezirksleiter Roman Zitzelsberger. Dagegen werde man sich zur Wehr setzen.

Beide Seiten wollen sich laut IG Metall noch im Mai zu Gesprächen treffen, um über Auswege aus der Krise zu beraten. Die Verpflichtung zu solchen Gesprächen ist Teil des jüngsten Tarifabschlusses.

(dpa/lsw)

Zollernalbkreis: Bürgermeister tauschen sich über Pandemie-Lage aus

12:52
08.05.2020
Bei der Bürgermeisterdienstversammlung unter Leitung des Vorsitzenden Hubert Schiele und Landrat Günther-Martin Pauli tauschten sich die Bürgermeister der 25 Städte und Gemeinden im Zollernalbkreis mit Vertretern des Landratsamtes intensiv über COVID-19 aus. Dies teilt das Landratsamt mit. Zudem informierte die Agentur für Arbeit über die aktuelle Arbeitsmarktsituation.

Die Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit, Anke Traber, berichtete über die Umstrukturierungen und Herausforderungen der vergangenen Wochen und die damit verbundenen Personalaufstockungen im Bereich Kurzarbeitergeld. "Vor allem die verarbeitenden Betriebe, der Handel und das Gastgewerbe sind stark von Corona betroffen", so Traber. Aktuell haben rund 3000 Betriebe im Agentur Bezirk Balingen für etwa 22.000 Beschäftigte Kurzarbeit angezeigt. "Teilweise haben sie einen Arbeitsausfall von 100%", so Joachim Mieser, Teamleiter für den Bereich Kurzarbeit bei der Agentur. Erfreulich sei, dass die regionalen Firmen, trotz der aktuell angespannten Situation am Ausbildungsbetrieb im Herbst festhalten. "Das ist ein wichtiges Signal", so Traber.

"Die Lockerungen von der Landesebene sind dringend notwendig. Wir im Zollernalbkreis müssen deren Auswirkungen jedoch sorgfältig im Blick behalten. Je vernünftiger wir uns verhalten, desto schneller erreichen wir wieder unseren Normalbetrieb", so Landrat Pauli.

Weitere Themenbereiche waren die Ausweitung der Notbetreuung von Kindern bis zur siebten Klasse, Vereinsfeste und Öffnung der Rathäuser. Das Landratsamt ist seit Montag – nach vorheriger Terminvereinbarung – wieder zu erreichen. Die Rathäuser, die noch geschlossen sind, werden Zug um Zug wieder aufgemacht. Überall muss ein Mund-/Nasenschutz getragen werden.

Der Zollernalbkreis hat seinen Städten und Gemeinden bisher 60.000 Masken und 3.000 Liter an Desinfektionsmittel zur Verfügungen gestellt. Eine dritte Lieferung mit Schutzmaterial ist zeitnah vorgesehen. 

(sb)

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