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«Beklemmendes Gefühl»: Geisterspiele auch für Schiris herausfordernd?

03:55
08.05.2020
Der frühere Top-Schiedsrichter Knut Kircher sieht durch die Geisterspiele in 1. und 2. Fußball-Bundesliga auch auf die Unparteiischen eine große Herausforderung zukommen. «Wenn im weiten Rund nichts mehr ist, dann ist das wirklich ein ungewohntes, vielleicht auch ein beklemmendes Gefühl», sagte der 51-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. Er habe als Schiedsrichter selbst mal ein Länderspiel ohne Zuschauer in Belgrad gepfiffen.

«Als Schiedsrichter ist man es auch gewöhnt, diese Geräuschkulisse als Push-Faktor zu haben, du bist dann auch in dieser Manege drin, das ist das gleiche wie für einen Spieler, der ja auch von den Massen getragen wird», sagte der Rottenburger. «Die Menschenmassen treiben zwar nicht den Schiedsrichter an, sie geben aber Rückmeldung. Und das ist schwer, da einen neuen Maßstab zu finden, wenn diese Reize auf einmal fehlen.»

In seiner Funktion als Schiedsrichter-Beobachter des DFB darf Kircher bei der Fortsetzung des Spielbetriebs nicht mehr im Stadion sein, um die Spielleitung der Unparteiischen zu beurteilen. Er muss sich dann auf TV-Eindrücke und Coaching per Telefon beschränken. «Man hat nicht mehr den Blick auf das ganze Spielfeld. Ansonsten stelle ich mir schon vor, dass das machbar ist», sagte er. «Es fehlt nachher nur der persönliche Austausch mit dem Schiedsrichter, aber den kann man übers Telefon machen.»

(dpa)

Hunderte Soldaten wurden im Südwesten in der Corona-Krise angefordert

03:53
08.05.2020
Behörden in Baden-Württemberg hatten auf dem Höhepunkt der Corona-Krise beim Verteidigungsministerium Hunderte von Soldaten für Sicherheitsaufgaben angefordert, auch in Flüchtlingsheimen. Wie aus einer Antwort des Verteidigungsministeriums auf eine Anfrage der Linken hervorgeht, wurden diese Anträge später zurückgezogen.

Beispielsweise fragte das Regierungspräsidium in Karlsruhe am 1. April nach, ob die Bundeswehr 217 Soldaten «als Wachpersonal für Sicherheitsaufgaben» sowie zur Überwachung von Quarantäne-Maßnahmen und für die Kontrolle der Einhaltung der Ausgangsbeschränkungen zur Verfügung stellen könne. Am 6. April habe das Innenministerium in Stuttgart dann 207 Soldaten zur «Bestreifung» einer Isolierstation und der Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Ellwangen angefordert.

Die Bundeswehr hatte zuvor bereits mehrere Anträge zurückgewiesen. Dazu zählte beispielsweise ein Antrag, die Bundeswehr solle in Thüringen eine Erstaufnahmeeinrichtung selbstständig betreiben.

Laut Verteidigungsministerium gingen bei der Bundeswehr insgesamt 16 Anträge aus Baden-Württemberg, dem Saarland, Thüringen, Rheinland-Pfalz und Bayern ein, die hoheitliche Aufgaben betrafen. Sechs dieser Anträge lehnte die Bundeswehr den Angaben zufolge ab. Zehn Anträge wurden wieder zurückgezogen.

«Die Antwort des Verteidigungsministeriums schockiert - weniger wegen der Bundeswehr, sondern wegen der schwarz-grünen Landesregierung in Baden-Württemberg», sagte Andrej Hunko (Linke). Man könne der Bundeswehr fast dankbar sein, dass sie einen ähnlichen Antrag aus Thüringen abgelehnt habe, wo zehn Soldaten die Polizei in Suhl bei der Bewachung einer Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge unterstützen sollten. «Dies hat wohl Baden-Württemberg zum Rückzug des eigenen Antrags bewogen», vermutete Hunko.

In den vergangenen Wochen hat die Bundeswehr bundesweit in mehr als 230 Fällen Anträge auf Amtshilfe bewilligt. In Baden-Württemberg hat sie beispielsweise in Flüchtlingsheimen medizinische Hilfe geleistet und die Verwaltung unterstützt. Die Bundeswehr kann im Katastrophenfall bei einer Überforderung der zivilen Behörden ausnahmsweise auch hoheitliche Aufgaben übernehmen - etwa zur Unterstützung der Polizei. Jedoch sind die Hürden dafür relativ hoch.

(dpa)

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