Es geht ihnen nicht flott genug: die Lockerungen der Grenzkontrollen ab diesem Wochenende und der mögliche Wegfall der Kontrollen in einem Monat geht der Wirtschaft im Dreiländereck nicht weit genug. Unter der Federführung der Industrie und Handelskammer in Karlsruhe haben sich die Kammern in Karlsruhe, der Pfalz, am Südlichen Oberrhein und in der Region Hochrhein-Bodensee, sowie die Handelskammer beider Basel und die französischen Kammern (CCI) der Regionen Grand Est und Alsace Eurométropole an die zuständigen Innenminister der drei Länder gewandt und auf schnellere Grenzöffnungen gepocht.
Der Verlust der Freizügigkeit betreffe im Grenzgebiet zwischen Deutschland, Frankreich und der Schweiz 320.000 Pendler und sei eine der denkbar „einschneidendsten Belastungen“ für die Menschen, die teils weite Umwege auf dem Weg zur Arbeit in Kauf nehmen müssten. In ihrem offenen Brief betonen die Wirtschaftsvertreter, dass es keine dem Gesundheitsschutz dienende Begründung für die Grenzkontrollen mehr gebe, wenn sich nun die Corona-Krise überall vergleichbar darstelle. Dieter Salomon, Hauptgeschäftsführer der IHK Südlicher Oberrhein in Freiburg, sieht den Europagedanken in Gefahr durch die Kontrollen: „Wo ist sie hin, die Idee des vereinten Europas, wenn französische Arbeitnehmer an der Grenze mit Maschinenpistolen empfangen und wie Schwerverbrecher behandelt werden?“
Kritik an den Plänen der Bundesregierung für die Grenzöffnungen kam am Mittwochabend auch von Brigitte Klinkert, der Ratspräsidentin des Departements Haut Rhin in Colmar im Elsass: Die Lockerungen gingen in die richtige Richtung, so Klinkert: „Wir kommen voran, aber wir sind nicht schnell genug". Die Grenzregion zwischen Frankreich und Deutschland leide seit zwei Monaten wirtschaftlich und sozial. „Es gibt keinen gesundheitlichen Grund mehr, die Grenzen so lange geschlossen zu halten, da das Virus auf beiden Seiten des Rheins weniger zirkuliert", so Klinkert. „Je länger wir warten, desto schwieriger wird es, zur Normalität zurückzukehren“. Die beiden südbadischen CDU-Bundestagsabgeordneten Peter Weiß (Emmendingen) und Armin Schuster (Lörrach) lobten die Ankündigung zur Lockerung der Grenzkontrollen durch Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) dagegen als „sehr gutes Signal für die Menschen in der Grenzregion und für den Handel“ (Schuster) und als „bedeutenden Schritt zur Normalisierung der Grenzverkehre“ (Weiß).