Tag 50. Als ich gerade diese Zahl eintippe, muss ich schon etwas schlucken. Seit 50 Tagen waren unsere Kinder nicht mehr in der Schule, nicht mehr im Fussball- oder Tanztraining. Sie haben nicht mehr in der Kirche ihren Dienst als Messdiener übernommen und sich nicht mehr mit Freunden getroffen. Viele Geburtstage fielen aus. Ebenso Restaurant- oder Kinobesuche, Turniere oder Wettkämpfe. Der Abschlussball von Liv oder Julius‘ erster Einsatz als Fußball-Schiedsrichter: gestrichen. Ebenso der Urlaub. Seit 50 Tagen machen die Kinder Homeschooling. Auch mein Mann war seit 50 Tagen nicht mehr im Büro, bei mir sind es nur ein paar Tage weniger. Viele Dinge sind anders. Viele haben sich erst im Laufe der Zeit verändert. Was uns erwarten würde, das konnten wir vor 50 Tagen nicht erahnen. Glücklicherweise. Denn viele Dinge sind einfacher, wenn wir uns Schritt für Schritt darauf zubewegen. Unseren Alltag Schritt für Schritt anders organisieren. Die Veränderung brachte aber auch viele schöne Dinge. Besondere Aufmerksamkeiten oder Nachrichten, Bastel-Aktionen, einen Online-Geburtstag, spannende Einkäufe, es gab viel Entschleunigung - und es gab Nähe trotz Entfernung. Beschweren können wir uns jedenfalls nicht. Wir haben genug zu essen und einen Garten. Auch wenn wir uns oft eingeengt fühlen, weil alle gleichzeitig Hausaufgaben machen oder arbeiten wollen, ist unser Dach über dem Kopf groß genug. Trotz Kurzarbeit: Uns geht es gut. Heute, an Tag 50, denke ich viel nach, lasse viele Ereignisse Revue passieren. Dieser Tag ist schon ein kleines Jubiläum. So viele Menschen leisten hier seit 50 Tagen Unglaubliches, geben alles, damit es uns und anderen gutgeht. Sie haben ganz viel Lob verdient. Doch auch wir können uns alle auf die Schulter klopfen: Wir wissen nicht, wie lange es noch anders sein wird. Aber wir haben schon 50 Tage durchgehalten. Das ist jede Menge - und eine tolle Leistung!