Mit großen Bedenken blicken einige Lehrer in Hessen auf den Schulbeginn am kommenden Montag. Sie erzählen mir, dass sie sich große Sorgen machen, obwohl sie sich freuen, die Kinder zu sehen. Seit Tagen bereiten sie vor, ziehen in andere Klassenzimmer um, auf die sie sich mit wenigen Schülern verteilen sollen. Rücken Tische und Stühle, entwickeln Konzepte für die Pausenzeiten. Sie kleben Markierungen auf den Boden, die den Schülern zeigen sollen, wo sie sich bewegen dürfen, um anderen nicht zu nahe zu kommen. Sie sorgen für Absperrungen. „Wir fühlen uns schon etwas allein gelassen“, gesteht mir eine Lehrerin, die ich schon seit 25 Jahren kenne. Als „Versuchskaninchen“ für andere Bundesländer. Viele sehen zwar die Notwendigkeit, dass die Schule bald wieder beginnen muss. Vor allem für die Kinder mit Förderbedarf, für die aus schwierigen Verhältnissen oder die ohne technische Ausrüstung wie Laptops. Doch Vieles zur Einhaltung der Hygiene-Regelung sei einfach nicht leistbar. Und alles müsse durchdacht sein. Was ist mit dem Mundschutz? Nicht jedes Kind wird einen haben, glaubt eine Lehrerin, die ihre eigenen Kinder alleine lassen muss, um in der Schule zu arbeiten. Entscheidungen sind zurzeit schwierige Gratwanderungen. Wann und wie soll der Alltag, der eigentlich keiner ist, denn überhaupt weitergehen? Werden die Infektionszahlen jetzt schnell wieder steigen? Viele Fragen können nicht beantwortet werden. Ob Entscheidungen Folgen haben, zeigt sich erst mit zeitlicher Verzögerung. Und Sorgen gehören leider inzwischen dazu. Deshalb ist es gut und wichtig, über Sorgen und Ängste, aber auch die vielen positiven Dinge, zu reden. Gerade dann, wenn persönliche Treffen nicht möglich sind. In Kontakt mit Freunden und Verwandten bleiben, mit Menschen sprechen - selbst wenn es „nur“ über den Gartenzaun hinweg ist. Das ist in diesen Zeiten mehr als wichtig.
Eva Baumgartner