Wir haben es tatsächlich fast geschafft: Wir sind früh dran, aber auch ein wenig stolz, dass wir schon fast alle Weihnachtsgeschenke besorgt haben. Wir wollen unseren Nebenjob als Christkind deshalb auch so schnell wie möglich komplett abschließen. Warum wir plötzlich verändern, was lange eine stressige Tradition hatte? Erstens sind wir es schon seit vielen Jahren leid, uns ab Anfang Dezember in den Weihnachts-Wahnsinn zu stürzen. Insgeheim haben wir stets die Mitmenschen bewundert, die ihre Geschenke schon im Sommer besorgen und das Thema Weihnachten spätestens im September abgehakt haben. Zweitens, und viel wichtiger, haben uns unsere Kinder, die die Nachrichten verfolgen, mit angstvollem Blick darauf aufmerksam gemacht, dass es in diesem Jahr eng werden könnte: „Die haben gesagt, dass es wegen Corona auf der ganzen Welt Lieferprobleme bei den Geschenken geben kann.“ Nach einem ergreifenden Vortrag der Kinder über die Lage dieser Welt und der damit verbundenen stockenden Produktion in Fernost („Ich glaub echt, Mama, wir müssen uns beeilen!“) brauchen wir wenigstens nicht mehr die Geschichten vom Christkind auszupacken, das sich praktischerweise seit Jahren immer dann ins Haus schleicht, wenn gerade niemand da ist. Im Ernst: Wahrscheinlich haben die Jüngsten schon längst nur noch uns zuliebe an diese Geschichten geglaubt. Dass die Geschenke nicht wirklich viel mit dem eigentlichen Weihnachtsfest zu tun haben, das weiß der Nachwuchs ja ohnehin. Jedenfalls mussten wir nach unserem Gespräch feststellen, dass die Wunschzettel angesichts der drohenden leeren Fläche unter dem Baum so schnell wie nie geschrieben waren – ein Traum, wenn das bei den Hausaufgaben mal der Fall wäre. „Meinst Du, das klappt, Mama?“, fragt unser Jüngster seither regelmäßig – und schiebt uns den Wunschzettel mit einem Blick herüber, der jedes Herz erweicht. Was sollen wir sagen? Nie war es spannender als in Corona-Zeiten, aufs Christkind zu warten.
Eva Baumgartner