Jetzt sind es fast 500 Tage. Wahnsinn. Oder – besser gesagt – 500 Tage Wahnsinn: Hätte mir jemand im März vergangenen Jahres gesagt, dass wir fast eineinhalb Jahre nach dem allerersten Corona-Lockdown noch mitten in dieser Pandemie stecken – ich hätte es niemals für möglich gehalten. Denn obwohl die Inzidenzzahlen bei uns derzeit auf niedrigem Niveau sind: Corona hat unser aller Leben noch immer fest im Griff. Am Montag ist es soweit: Dann blogge ich seit 500 Tagen aus dem Leben meiner sechsköpfigen Familie während der Pandemie. Ich kann mich noch genau an den Tag im März 2020 erinnern, als unser Leben von einem auf den anderen Tag stillgelegt wurde. Und zeitgleich dieser tägliche Blog entstand: Angst und Verunsicherung waren – und sind noch – groß, wir wollten den Menschen einfach ein Stück Mut geben, sie auch mal zum Lachen bringen, die Geschehnisse dokumentieren. Ganz ehrlich: Ich dachte, dieser Lockdown, der am 14. März 2020 startete, ist schnell vorbei, die Pandemie in ein paar Monaten überstanden. Doch es kam anders. So viele Tage sind vergangen – mit Hoffen und Bangen, Höhen und Tiefen. Tage, an denen wir uns als Familie richtig auf die Nerven gegangen sind, an denen wir den Schulaufgaben-Wahnsinn kaum ertragen konnten. Tage, an denen wir erfahren haben, dass liebe Menschen erkrankt sind – und manche es nicht geschafft haben. Wir haben gewartet: auf die ersehnte Impfung – als einzigen Strohhalm, an den wir uns klammern konnten. Viele dieser 500 Tage fanden im Homeoffice statt, die Kinder waren im Homeschooling – Worte, die längst zu unserem täglichen Sprachgebrauch gehören. Der Nachwuchs musste daheim teils absurde Aufgaben lösen – ich erinnere mich an den verrückten Versuch unseres Sohnes, der im Garten mit Kaliumpermanganat hantierte. Oder an Tage, an denen die Kinder unglaublich traurig waren, weil sie viele ihrer Freunde nur noch online sehen oder am Telefon sprechen konnten. Unser aller Leben fand immer wieder ausschließlich in den heimischen vier Wänden statt – eine Bewährungsprobe, denn nicht jeder hatte in dieser Pandemie genügend Platz oder einen Garten, um sich zurückziehen zu können. Ich denke an zahlreiche Tage mit Ausgangssperren: Etwas, mit dem wir uns zum Glück nie zuvor beschäftigen mussten – zwischenzeitlich haben wir uns auch daran gewöhnt. Ebenso an lange Phasen ohne Vereinssport, Restaurantbesuche, dafür mit Videokonferenzen satt. In den vergangenen knapp eineinhalb Jahren gab es freilich auch Entschleunigung, schließlich fanden die meisten Termine – von Fußballspielen der Jungs bis hin zu den Tanzturnieren der Tochter – nicht mehr statt. Es gab auch viele schöne Momente und Mitgefühl. Und nicht nur Egoisten, die ihren Einkaufswagen mit Mehl, Nudeln und Klopapier gefüllt haben, sondern auch Hilfsbereitschaft – im Kleinen und im ganzen Großen. Berührt haben mich in diesen 500 Tagen auch die netten Rückmeldungen von Leserinnen und Lesern dieses Blogs, die mir ihr Herz ausgeschüttet haben, die mit mir gelacht haben über den Schulaufgaben-Wahnsinn oder geweint, weil sie am Ende waren und nicht mehr weiter wussten. Nicht wenige Menschen waren in Kurzarbeit, haben ihren Job verloren oder mussten mit Depressionen kämpfen. Ganz ehrlich, liebe Leser: Dieser Blog hat auch mir durch den Corona-Wahnsinn geholfen. Es war zwar nicht immer leicht, für jeden Tag einen Eintrag zu finden, mal fehlte die Zeit, manchmal auch die Idee. Doch ich habe in diesen 500 Tagen viele Menschen kennengelernt, Gemeinsamkeit und Nähe erfahren – in einer Zeit, die noch immer von Abstand und Maske geprägt ist. Freilich, niemand weiß, wann und ob wir die Pandemie jemals ganz loswerden, ob der Wahnsinn nach einer kurzen Pause nicht demnächst wieder von vorne losgeht. Doch auch, wenn Infektionszahlen und Varianten stets über uns schweben: Lassen Sie uns weiter zusammenhalten, das Positive nicht aus den Augen verlieren – und über den eigenen Tellerrand schauen.
Eva Baumgartner