Vor einigen Wochen hat eine Schweizer Zeitung ja vorgeschlagen, dass Deutschland den Adler gegen eine Schnecke als Wappentier austauscht – ein Seitenhieb auf die zu dieser Zeit sehr langsam fortschreitende Zahl der Impfungen in den deutschen Zentren. Doch ganz unabhängig davon, wie langsam oder schnell das Impf-Tempo in diesen Tagen vonstatten geht: Als Hobby-Gärtnerin lernen wir die schleimigen Weichtiere nach einigen heftigen Regenfällen derzeit von einer ganz anderen Seite kennen. Nämlich ziemlich effizient. Die Tierchen verstecken sich tagsüber in der Erde ihrer Lieblingspflanzen, um nachts direkt an der Quelle zu sitzen und sich ohne lange Wege ordentlich satt fressen zu können. In flagranti haben wir das Überfall-Kommando zwar nicht erwischt, doch einzelne Übeltäter, die sich aufgrund der verputzten Massen offenbar nicht mehr fortbewegen konnten, waren letzte stille Zeugen des nächtlichen Gelages. An den Pflanzen ist jedenfalls kaum noch was zu retten. Dennoch hoffen wir, dass den Tierchen ihr spätes Mahl wenigstens geschmeckt hat. Dann wäre zumindest eine Partei glücklich. Wir sind es jedenfalls nicht. Und das Gerippe wird uns leider noch eine ganze Weile an das üppige Festmahl erinnern, an dem wir nicht teilgenommen haben.
Eva Baumgartner