In immer mehr Momenten fühlen wir uns alt, das stellen mein Mann und ich inzwischen häufiger fest. Nicht wegen der Wehwehchen, die gefühlt zunehmen. Sondern vor allem, wenn wir unseren Kindern lauschen. Beispielsweise dann, wenn sie Gleichaltrigen Sprachnachrichten schicken oder mit Klassenkameraden telefonieren - das tun sie tatsächlich noch. Und in diesen Zeiten sogar wieder häufiger, weil sie viele ihrer Freunde ja nicht treffen können. Was sich dabei für uns wie eine intensive Kommunikation zwischen Gangstern anhört, das ist beim Nachwuchs normaler Alltag. Gut jedes zweite Wort erklingt beispielsweise in englischer Sprache: Viele Dinge sind da „nice“, also schön, manche auch „lost“, also verloren. Die heimischen vier Wände werden zur „Base“ und der Kumpel zum „Bro“. Wenn der Nachwuchs seine Freunde anspricht, dann klingt das manchmal aber auch, als stünden unüberbrückbare Differenzen bevor: Statt Anton oder Ben heißt das Gegenüber nämlich meist „Alter“ oder „Digga“ - was aber weder etwas mit dem Lebensalter noch mit der Körperfülle der Person zu tun hat. Das Leben im Allgemeinen ist zudem offenbar ganz schön „wild“, und wenn jemand etwas ganz sicher in der Tasche hat, dann ist es „safe“. Aber sobald ich einen der Söhne zum wiederholten Male bitte, endlich die Spülmaschine auszuräumen, dann höre ich oft einen Satz, den ich mir auch wirklich gerne und sofort zu Herzen nehmen würde: „Chill mal deine Base!“ Denn ich würde mich auch tatsächlich gerne ausruhen. Doch spätestens fünf Minuten später ist klar, dass ich meine Base nicht chillen kann. Sondern Fragen zu den Hausaufgaben beantworten muss. Oder Essen auf den Tisch bringen soll. Dabei würde ich auch gerne mal „chillen“. Oder - wie ich sagen würde - einfach mal faulenzen.
Eva Baumgartner