Viele Eltern tauschen sich in diesen Zeiten über ihre Erfahrungen mit dem Homeschooling aus. Meist sind es keine guten Erlebnisse, es überwiegt eher der Frust. Doch nach einem Telefonat mit einer Freundin verraucht zumindest bei uns die schlechte Stimmung schnell. Denn während ich unseren Kindern zuhause Fragen zu Deutsch-Argumentationen, verschiedenen Baumwurzel-Arten oder zur Zylinderberechnung beantworten soll, hat die Freundin ganz andere Probleme. Bei einem ihrer Söhne steht nämlich Sexualkunde auf dem Stundenplan - mit der Anweisung der Lehrkräfte, was den Kindern dabei doch bitte alles vermittelt werden soll. Wir müssen an dieser Stelle erwähnen, dass es sich beim betreffenden Sohn um einen Siebtklässler handelt, der mitten in der Pubertät steckt. „Das ist doch Wahnsinn, das möchte doch kein Junge in seinem Alter, dass die eigene Mutter mit ihm über Befruchtung oder Körperhygiene bei Frauen spricht?!“, berichtet sie entsetzt von ihren Aufgaben. Sie vermutet sogar ein abgekartetes Spiel: „Das ist ganz komisch. Im ersten Lockdown mussten wir schon Sexualkunde zuhause erklären, als die Schule wieder startete, da war das Thema beendet. Jetzt sind wir wieder im Lockdown - und es steht plötzlich wieder auf dem Plan? Beim gleichen Kind?“ Auch wir äußern unsere Bedenken darüber, dass dieses spezielle Thema bereits zum zweiten Mal in den Lockdown platziert wird. Und dann lachen wir gemeinsam, bis uns die Tränen in die Augen steigen. Es ist wirklich verrückt, was von uns als Homeschooling-Lehrerinnen und -Lehrern erwartet wird. Doch nachdem wir uns unterhalten und ausgiebig gelacht haben, geht es uns viel besser. Uns beiden.
Eva Baumgartner