Es ist Donnerstag, der 31. Dezember. Der letzte Tag dieses so ganz anderen Jahres. Es ist auch Tag 293. Tatsächlich berichte ich seit 293 Tagen in diesem Blog, wie wir als sechsköpfige Familie den Alltag in Corona-Zeiten erleben – bei anfangs geschlossenen Schulen, noch immer geschlossenen Sportvereinen und inzwischen wieder geschlossenen Geschäften. Seit dem 14. März, Tag 1 nach dem Lockdown, schreibe ich auf, was in unserem Umfeld passiert: Vom Alltag ohne Fußball und Tanzsport. Von meinem neuen Leben als Lehrerin, obwohl ich gar keine bin. Es geht in den vergangenen 293 Tagen um Langeweile, schöne Momente, Mitgefühl oder den Schulaufgaben-Wahnsinn. Und um Entschleunigung. Viele Leser haben sich bei mir gemeldet – aus Mannheim und der Region, sogar aus den USA, Kanada oder Norwegen: Sie freuen sich über den Einblick, berichten, wie es ihnen geht. Sie schütteln den Kopf darüber, dass unsere Schildkröte schlicht Schildi heißt oder lachen darüber, dass das Leben in einer größeren Familie doch überall irgendwie gleich ist. Viele, wie Gerhard Lauk aus Kanada, schicken mir Bilder, schreiben mir, wie sie die Situation meistern, manche schütten ihr Herz aus, andere geben uns Tipps, was man gegen trockene Hände tun kann, die vom Desinfektionsmittel rissig sind. Die Rückmeldungen sind toll, denn dieser Blog soll vor allem eines: Die Menschen zwischendurch auch irgendwie aufbauen. Um ehrlich zu sein: An manchen Tagen ist es nicht leicht, diese Zeilen zu füllen. Stress, Hektik – die Gedanken sind ganz woanders. Schlimme Nachrichten sind um uns alle herum. Doch beschweren möchte ich mich nicht. Auch wenn wir uns innerhalb der Familie eingeengt fühlen, weil alle gleichzeitig Hausaufgaben machen oder arbeiten wollen, ist unser Dach über dem Kopf schließlich groß genug. So viele Menschen haben schwere Last zu tragen, und viele leisten in der Pandemie Unglaubliches, damit es ihren Mitmenschen gut geht. Sie haben ganz viel Lob verdient. Was kann ich nach 293 Tagen sagen? Der Blog ist ein Format, das über Grenzen hinweg Gemeinsamkeit und Nähe schafft – in einem Leben mit ansonsten 1,50 Meter Abstand. Wie lange es so weitergeht, weiß niemand. Doch wir haben schon 293 Tage durchgehalten. Und deshalb wünsche ich Ihnen allen von Herzen ein neues, glückliches Jahr. Ein Jahr, das für Sie alle besser wird.
Eva Baumgartner