Maria und Josef fallen aus. Im Corona-Jahr 2020 stehen sie erstmals nicht an der Krippe. Zur Erklärung: Seit vielen Jahren übe ich jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit mit einer Freundin das Krippenspiel ein, das an Heiligabend in der Kirche gezeigt wird. Normalerweise machen interessierte Kinder aus der Gemeinde mit. Mit den eigenen fülle ich höchstens auf, wenn eine Position nicht besetzt ist. Nun ist alles anders. Schon im Herbst war klar, mit vielen Kindern aus verschiedenen Haushalten wird es dieses Mal nichts werden. Die Pfarrgemeinde fragte also an, ob ich das Krippenspiel mit der Verwandtschaft, die bei uns ausreichend vorhanden ist, einstudieren kann. Mangels weiblicher Personen war da schon klar, dass es diesmal auch nicht die sonst so beliebten Engel gibt - meine Jungs konnten sich nicht vorstellen, diese Rolle zu übernehmen. Doch Hirten, Könige, Maria und Josef konnten wir aus dem Familien-Fundus besetzen. Inzwischen sind wir jedoch weiter geschrumpft: Die aktuellen Zahlen lassen keinen anderen Weg zu, so fragte die Pfarrgemeinde vor einiger Zeit an, ob wir das Krippenspiel vielleicht ganz privat machen, nur meine Familie. Wir willigten ein. Heute fand unsere Probe in der Kirche statt. Weil auch mit unseren vier Kindern kein ordentliches Krippenspiel zu stemmen ist, sind - nicht lachen - nun auch mein Mann und ich an Bord. Es ist schon gut 35 Jahre her, dass ich selbst bei einem Krippenspiel mitgewirkt habe. Doch diese Zeiten erfordern neue Herausforderungen. Deshalb bin ich nun ein Hirte und mein Mann einer der Heiligen Drei Könige. Am Heiligen Abend wird unser Einsatz sein - im Online-Gottesdienst. Und wir geben zu: Aufgeregt sind wir schon. Schließlich hat mein Mann schon großmundig seine Arbeitskollegen befragt, wer von ihnen denn beim Krippenspiel mitmacht, und mit seinem Einsatz geprahlt. Doch wenn wir nur dem einen oder anderen Kind eine Freude machen können mit dem Krippenspiel, dann hat sich der Einsatz schon gelohnt. Ich hoffe jedoch, dass die meisten Zuschauer auf meine Kinder und meinen Mann schauen.
Eva Baumgartner