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Bei Meyer drohen Kurzarbeit und Jobabbau

14:14
16.04.2020
Der weltweite Stillstand der Kreuzfahrtbranche wegen der Corona-Pandemie bringt den großen deutschen Schiffbauer Meyer-Werft an der Ems in massive Schwierigkeiten. „Wir müssen in allen Bereichen über Kurzarbeit, ja, aber auch über den Abbau von Arbeitsplätzen nachdenken“, sagte Firmenchef Bernhard Meyer in Papenburg in einer Videobotschaft an die Belegschaft. Die für ihre riesigen Kreuzfahrtschiffe bekannte Werft versuche, ihre bis 2023/24 reichenden Neubauaufträge zu strecken.

Die Corona-Pandemie treffe die Kreuzfahrtbranche schlimmer als die Terroranschläge in den USA vom 11. September 2001 oder die Banken- und Finanzkrise 2009, sagte Geschäftsführer Thomas Weigend. „Noch nie hat die ganze Kreuzfahrtflotte der Welt mit über 400 Schiffen stillgestanden“, sagte Seniorchef Meyer, der seit 47 Jahren bei dem 225 Jahre alten Familienunternehmen arbeitet. Unter den jetzigen Umständen wolle kaum eine Reederei ein neues Schiff übernehmen.

Die Meyer-Werft hat am Stammsitz in Papenburg nach eigenen Angaben etwa 3600 Mitarbeiter. Mit den Tochterfirmen in Rostock (Mecklenburg-Vorpommern) und Turku (Finnland) beschäftigt sie 7800 Menschen. Meyer und Weigend nannten keine konkreten Zahlen zum kommenden Personalabbau. Die Arbeitsleistung müsse mit verschiedenen Maßnahmen um etwa 40 Prozent reduziert werden, sagte Weigend.

„Wir haben Aufträge bis 2023 und in Turku sogar bis 2024“, sagte Meyer. Aber diese Verträge seien noch unter anderen Bedingungen geschlossen worden. Wichtig sei, Stornierungen zu vermeiden. Statt jährlich in Papenburg zwei große und ein kleineres Kreuzfahrtschiff zu bauen, sollten nur ein großes und ein kleines Schiff ausgeliefert werden, sagte Weigend. Die Werft führe darüber Gespräche mit Reedereien, Lieferanten und Banken, sagte ein Sprecher am Donnerstag.

Die Hoffnung auf eine baldige Wiederaufnahme von Kreuzfahrten wurde auch von den US-Behörden gedämpft, die die Sperre der US-Häfen für die Touristenschiffe bis zum 23. Juli verlängert haben. Vor 2023 oder 2024 seien keine neuen Aufträge zu erwarten, sagte Weigend. Meyer rechnete damit, dass die Kreuzfahrtbranche erst in zehn Jahren 2030 wieder das Vorkrisenniveau erreichen werde.

Die Werft in Papenburg, auf der üblicherweise Tausende Menschen arbeiten, hat den Betrieb aus Seuchenschutzgründen schon weitgehend entzerrt. Geschäftsführung und Betriebsrat streiten aber über einzelne Maßnahmen. Entscheiden soll die Einigungsstelle des Arbeitsgerichts Oldenburg, deren Spruch am Freitag erwartet wird.

Als nächstes Meyer-Schiff soll Anfang Mai die „Iona“ an die britische Reederei P&O Cruises abgeliefert werden. Der Luxusliner liegt bereits in Bremerhaven für letzte Arbeiten an der Innenausstattung. Danach sollten in diesem Jahr ursprünglich noch die Schiffe „Spirit of Adventure“ für Saga Cruises (Großbritannien) und die „Odyssey of the Seas“ für Royal Caribbean (USA) fertiggestellt werden.

dpa