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Nicolas Schmit: "Situation ist ziemlich ernst"

14:22
05.05.2020
Die EU-Kommission erwartet wegen der Corona-Krise eine drastische Zunahme der Arbeitslosigkeit in Europa. Die konkreten Zahlen würden am Mittwoch mit der Frühjahrsprognose zur Konjunktur veröffentlicht, sagte Sozialkommissar Nicolas Schmit nach Beratungen der EU-Sozialminister. „Die Situation ist, wie erwartet, mit Blick auf die gesamtwirtschaftliche Lage, den Arbeitsmarkt und die Lage Tausender Unternehmen vor allem im Mittelstand ziemlich ernst.“

Nun gehe es darum, die Lockerung der Pandemie-Beschränkungen und die wirtschaftlichen Erholung vorzubereiten. „Wir sind ein einer Notsituation, es herrscht Dringlichkeit, deshalb ist es sehr wichtig, die Arbeit daran zu beschleunigen“, sagte frühere LSAP-Minister. Er warnte vor wachsender Ungleichheit in Europa und Jugendarbeitslosigkeit. „Das Risiko ist enorm, dass junge Leute wieder das Opfer der Krise werden“, sagte Schmit.

Das neue EU-Kurzarbeiterprogramm „Sure“ werde nach jetzigem Stand wohl pünktlich zum 1. Juni einsatzbereit sein, erläuterte er. „Sure“ sieht vor, bis zu 100 Milliarden Euro zur Finanzierung von Kurzarbeiterprogrammen als Kredite an die EU-Staaten zu geben. Dies ist Teil eines 500-Milliarden-Euro-Pakets, das im April vereinbart wurde. Darüber hinaus wird ein Programm zur wirtschaftlichen Erholung nach der Krise vorbereitet, das Investitionen in Billionenhöhe ermöglichen soll. Details sind aber noch umstritten.

Jörg Tschürtz

Airlines locken wohl anfangs mit Billigflügen

14:20
05.05.2020
Wenn der Flugbetrieb nach den einschneidenden Corona-Maßnahmen wieder in größerem Rahmen anläuft, dürften die Tickets nach Einschätzung des Dachverbands der Fluggesellschaften (IATA) zunächst günstig sein. Die Fluggesellschaften müssten die Nachfrage mit Angeboten stimulieren, sagte IATA-Chefökonom Brian Pearce am Dienstag in Genf. Zudem sei die Kapazität anfangs sicher höher als die Nachfrage, und die Ölpreise seien niedrig. Die Buchungen hätten zwar angezogen, aber lägen noch deutlich unter den Werten vor der Corona-Krise. Vor dem nächsten Jahr rechnete Pearce nicht mit anziehenden Preisen.

Problematisch werde es, wenn die Behörden im Kampf gegen eine weitere Ausbreitung des Virus Abstand zwischen Passagieren verlangten und in der Economy-Klasse die Mittelsitze frei bleiben müssen. Wenn nur rund 60 Prozent der Sitze verkauft werden können, müssten Ticketpreise eigentlich um 43 bis 54 Prozent steigen, um den Ausfall wettzumachen, sagte Pearce. Bei einer Auslastung von nur gut 60 Prozent hätten nach einer IATA-Analyse nur 4 von 120 Airlines wenigstens ihre Kosten gedeckt.

Es gebe keine Hinweise, dass das Freilassen von Mittelsitzen die Ansteckungsgefahr zusätzlich verringere, sagte IATA-Chef Alexandre de Juniac. Der Verband ist gegen solche Vorgaben. Vielmehr arbeiteten die Fluggesellschaften an Konzepten mit Fiebermessen, Masken und rigorosen Hygienemaßnahmen. Untersuchungen legen nach IATA-Angaben nahe, dass an Bord kaum ein Ansteckungsrisiko bestehe.

Jörg Tschürtz