Letztes Update:
20200519144319

Weltärztepräsident Montgomery kritisiert Maskenpflicht

05:10
23.04.2020
Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery hat die geplante nahezu bundesweite Maskenpflicht kritisiert: "Ich trage selber eine Maske, aus Höflichkeit und Solidarität, halte eine gesetzliche Pflicht aber für falsch", sagte Montgomery der Düsseldorfer "Rheinischen Post" (Donnerstag). "Wer eine Maske trägt, wähnt sich sicher, er vergisst den allein entscheidenden Mindestabstand", betonte der Mediziner.
Bei unsachgemäßem Gebrauch könnten Masken sogar gefährlich werden. Im Stoff konzentriere sich das Virus, beim Abnehmen berühre man die Gesichtshaut, schneller könne man sich kaum infizieren. Montgomery erklärte weiter, eine gesetzliche Maskenpflicht könne es nur für echte Schutzmasken geben - eine Pflicht für Schals oder Tücher sei "lächerlich".

Zugleich verwies er darauf, dass man derzeit noch alle "echt wirksamen Masken" für das medizinische Personal, Pflegende und Gefährdete brauche. "Aber was will man gegen den Überbietungswettbewerb föderaler Landespolitiker mit rationalen Argumenten tun?", so Montgomery.

KNA

Neuer Gesundheitsminister Brasiliens will Corona-„Ausstiegsplan“

04:54
23.04.2020
Der neue brasilianische Gesundheitsminister Nelson Teich hat eine Lockerung der Einschränkungen des öffentlichen Lebens in der Corona-Krise angekündigt. Er sagte am Mittwoch in Brasília, dass die Regierung innerhalb einer Woche eine entsprechende Richtlinie für die Städte und Bundesstaaten vorlegen wolle. „Es ist unmöglich für ein Land, ein Jahr, eineinhalb Jahre zu überleben, wenn es stillsteht“, sagte Teich. „Die soziale Distanzierung ist eine natürliche Maßnahme und logisch zu Beginn, aber sie kann nicht ohne einen Ausstiegsplan angewendet werden.“
Als Begründung führte er aus, dass selbst, wenn die Zahl der mit dem Coronavirus Infizierten in Brasilien 100 Mal höher wäre als die offiziell vom Gesundheitsministerium geführten 43 5000, diese vier Millionen Menschen bei einer Bevölkerung von 208 Millionen Menschen nur zwei Prozent entsprächen. Auf die kritische Lage etwa in der Stadt Manaus im Amazonas-Gebiet, wo das Gesundheitssystem bereits kollabiert ist und vor einem großen Hospital ein Kühlcontainer aufgestellt wurde, um Leichen zu lagern, ging Teich in seiner mit Spannung erwarteten ersten Pressekonferenz nicht ein.
Präsident Jair Bolsonaro hatte den Onkologen am vergangenen Donnerstag als Nachfolger von Luiz Henrique Mandetta ernannt. Dieser war im Streit über den richtigen Umgang mit dem Coronavirus entlassen worden. Während Mandetta wie verschiedene Gouverneure und Bürgermeister für Ausgangsbeschränkungen und Schutzmaßnahmen plädierte, hält der rechtspopulistische Bolsonaro die Maßnahmen für übertrieben und will möglichst schnell zur Normalität zurückkehren. Am Sonntag waren deswegen zahlreiche Bolsonaro-Anhänger auf die Straße gegangen und hatten ein Eingreifen der Streitkräfte gefordert.

dpa