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Ein rätselhafter Patient in Esslingen

11:53
27.05.2020
Im Klinikum Esslingen wurde jetzt erstmals ein Patient aufgenommen, welcher nach einer COVID-19 Lungenentzündung zunehmende Lähmungen und eine Störung der Blasenfunktion aufwies. Als Ursache stellte sich eine Rückenmarksentzündung im Bereich der Brustwirbelsäule heraus. Es handelt sich hierbei um den ersten eindeutig nachgewiesenen Fall einer Rückenmarksentzündung nach COVID-19 Infektion.
Bei einem Patienten aus Wuhan war bereits eine Rückenmarksentzündung bei ähnlichen Symptomen vermutet worden, aber die Diagnose konnte nicht mittels Kernspin-Untersuchung sowie Untersuchung des Nervenwassers bestätigt werden. Der Esslinger Fall wurde nun in der renommierten Fachzeitschrift „Journal of Neurology“ kürzlich von den Esslinger Ärzten um Prof. Dr. Matthias Reinhard, Chefarzt der Klinik für Neurologie, veröffentlicht.
Beim Esslinger Patient wurde kein Anhaltspunkt für eine direkte Virus-Infektion des Nervensystems durch SARS-CoV2 gefunden. „Wir gehen von einer Überaktivierung des Immunsystems nach Corona-Virus-Infektion aus mit einer fehlgeleiteten Reaktion gegen das Rückenmark“, berichtet Chefarzt Prof. Dr. Matthias Reinhard. Solche Fehlreaktionen des Immunsystems werden auch bei anderen Virus-Erkrankungen beobachtet. „Wir haben keinen Hinweis gefunden, dass das Corona-Virus direkt im Gehirn- und Rückenmarksbereich aktiv ist“ so Chefarzt Prof. Reinhard weiter.
Passend zur Hypothese der falschen Immunreaktion besserte sich der Zustand des Esslinger Patienten durch Gabe von Kortison deutlich innerhalb von gut einer Woche. „Der Patient konnte wieder auf eigenen Füßen nach Hause gehen und hatte fast schon wieder die alte Kraft in den Beinen erreicht“, war Prof. Reinhard mit dem Behandlungsergebnis sehr zufrieden.
Auf die Möglichkeit von Immunreaktionen gegen das Nervensystems bei COIVD-19 Patienten werden die Esslinger Ärzte künftig weiter genau achten und dabei ihre Erfahrungen aus der jetzt gemachten Behandlung einfließen lassen.

Nicole Rabus