„Ich will nicht in Panikmache verfallen. Aber manche Betriebe werden das nur wenige Wochen aushalten“, fürchtet Alexander Hangleiter, der Geschäftsführer des Gastro-Verbands DeHoGa in Freiburg. Die Corona-Krise hat den Hotels und Restaurants in Südbaden binnen Tagen massive Umsatzeinbußen beschert. Tagungen und Kongresse werden fast ausnahmslos abgesagt. Die Situation sei „Horror, Horror, Horror“, so ein Hotelier in Freiburg stellvertretend für die Branche: Neun von zehn Mitarbeitern hat er in die Ferien schicken müssen, ab dem kommenden Monat wird er Kurzarbeit beantragen, was aber mittelfristig auf sein Haus zukommt, will er gar nicht erst abschätzen. „Ich bin ja sonst ein Optimist“, so der Mann, der in Freiburg zu den großen Namen seiner Branche gehört. „Aber derzeit sehe ich die Zukunft eher schwarz.“
Das Telefon stehe derzeit nicht mehr still, bestätigt Alexander Hangleiter. Der DeHoGa Freiburg vertritt die Interessen von 1.800 Betrieben in der Region. Und mehr oder minder allen gehe es schlecht. „Jeder Hotelier kann ihnen seine Corona-Geschichte erzählen.“ Erfolgte Buchungen würden storniert, neue Buchungen fielen weg, das Szenario betreffe nicht nur die Hotellerie sondern auch Gastronomen und Caterer, die nun nicht mehr wüssten, wie sie ihre Belegschaft beschäftigen sollen. „Wir haben eine landesweite Umfrage gemacht Anfang März, schon da verzeichneten 75 Prozent der Häuser deutliche Ausfälle.“ Und das, so fürchtet Hangleiter, sei ja erst am Anfang der Krise gewesen, als beispielsweise Italien und das Elsass noch keine so massiven Krisenherde gewesen seien wie jetzt: Was sich zunächst schwerpunktmäßig im Hochschwarzwald bemerkbar machte, weil am Titisee keine chinesischen Tagesgäste mehr zu sehen waren, hat sich zum Flächenbrand ausgeweitet. „Es ist äußerst bedrohlich für die Betriebe“, so Hangleiter. Kurzarbeitergeld allein sei nicht die ideale Lösung, die Branche brauche staatliche Liquiditätshilfen, da viele Betriebe finanzielle Verpflichtungen aufgrund großer Investitionen und Pachtzahlungen hätten. „Die Corona-Krise trifft Hotels und Gastronomie besonders hart.“
„Es ist aber nicht nur für den Tourismus schwierig“, im Prinzip sei Corona für das ganze Veranstaltungswesen „mittelfristig eine Katastrophe“, so die Freiburger Wirtschaftsförderin Hanna Böhme. „Da werden Verträge gekündigt und Fakten geschaffen“, und es sei vollkommen offen, welche Folgen auch rechtlicher Natur sich aus der derzeitigen Situation mittelfristig ergeben. Die große Gefahr für Betriebe jedweder Art seien die Liquiditätslücken, die nun drohen. Vom Musiker bis zum Messebauer werde das Spektrum der Betroffenen immer breiter. Mit ungewissem Ausgang: „Keiner weiß, ob das eine kurzfristige Situation ist wie ein Hurricane. Keiner kann sagen, wie lange das dauern wird. Nun werden Aktivitäten heruntergefahren, die man nachher nicht einfach wieder neu starten kann. Da ist ja kein An- und Ausschalter. Ich glaube, wir werden viele Gespräche führen, wenn die akute Corona-Situation vorbei ist.“