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Keine pauschalen Schulschließungen in Deutschland

10:50
05.03.2020
Berlin - Flächendeckende Schulschließungen wie in Italien wegen der Corona-Pandemie sind in Deutschland nicht absehbar. So lehnte der Deutsche Lehrerverband generelle Schulschließungen am Donnerstag ab. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte bereits nach einem Krisentreffen der Fachminister von Bund und Ländern am Mittwoch: «Ich halte pauschale Schul- oder Universitätsschließungen nicht für angemessen.»

Italien hat als bisher am stärksten betroffenes Land in der EU wegen der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus alle Schulen und Hochschulen bis Mitte des Monats geschlossen. Ein entsprechendes Dekret hatte Ministerpräsident Giuseppe Conte am späten Mittwochabend unterzeichnet.

Der Präsident des Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, sagte der Deutschen Presse-Agentur, lange Komplettschließungen ohne «konkret nachgewiesene, bestätigte Verdachtsfälle» halte er für falsch. «Das wäre ein Maßnahmenoverkill.»

Spahn erläuterte mit Blick auf mögliche Schließungen in Deutschland: «Man muss berücksichtigen, dass jede Maßnahme, die wir ergreifen, Folgen hat. Wenn durch flächendeckende Schulschließungen in Deutschland zum Beispiel Pflegekräfte und Ärzte fehlen, weil sie zum Beispiel alleine erziehen und sich darauf verlassen, dass Schulen und Kindergärten zeitnah zur Verfügung stehen, dann hat das auch wieder Folgen für das Gesundheitswesen.»

Das Robert Koch-Institut, die Kassenärzte und das Gesundheitsressort betonen seit Tagen, dass es bei der Entscheidung über die Absage von Veranstaltungen oder die Schließung von Einrichtungen auf eine Risikoabwägung von Fall zu Fall gehe. Diese könnten nur die Gesundheitsämter vor Ort treffen - auch was Schulen betreffe.

In der besonders betroffenen Städteregion Aachen etwa mit zuletzt 25 nachgewiesenen Virusfällen wurden fünf Schulen und eine Kita für diese Woche geschlossen. Nach einem Coronavirus-Nachweis an einem Kölner Gymnasium war auch dort der Unterricht ausgefallen - ebenso an einem Gymnasium in Schwalmtal (Kreis Viersen). Eine Mutter war positiv getestet worden.

In Berlin waren zuletzt zwei Schulen geschlossen. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) hatte zugleich deutlich gemacht: «Es geht nicht, dass jemand aus dem Bauchgefühl heraus sagt, ich schließe jetzt mal meine Schule.»

Vorübergehende Schulschließungen gab es auch in Würzburg und Unterhaching. In Unterhaching ist ein Kind eines Gymnasiums mit Sars-CoV-2 infiziert. In Würzburg wurden zwei junge Erwachsene positiv getestet. In Stade dagegen war zwar ein Lehrer eines Gymnasiums positiv getestet worden - einen Unterrichtsausfall hielt das Gesundheitsamt allerdings nicht für nötig.

Weltweit sind mittlerweile über 93 000 Infektionen bestätigt. Mehr als 3000 Menschen sind bislang auf dem chinesischen Festland gestorben, wo das Virus zuerst nachgewiesen wurde. Von insgesamt 80 409 Infizierten wurden nach offiziellen Angaben bislang 52 045 geheilt. 

(dpa)

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Mittwoch, 4. März

15 weitere Coronavirus-Fälle im Südwesten

18:58
04.03.2020
Stuttgart  - In Baden-Württemberg gibt es 15 neue bestätigte Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus. Wie das Sozialministerium am Mittwochabend in Stuttgart mitteilte, sind damit insgesamt 65 Menschen im Südwesten positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden.

Bei zwei neuen Fällen im Alb-Donau-Kreis handelt es sich um einen 56-jährigen Mann und seinen 19 Jahre alten Sohn, die von einer Reise aus Südtirol zurückgekommen sind.

Im Landkreis Heilbronn wurden zwei Frauen und zwei Männer positiv getestet, die Bewohner des Pflegeheims sind, das schon vom Coronavirus betroffen ist. Bei einem Fall in Stuttgart handelt es um einen männlichen Reiserückkehrer (Jahrgang 1976) aus Südtirol.

Zudem wurde die 14 Jahre alte Tochter eines bereits vermeldeten Erkrankten im Rems-Murr-Kreis positiv auf das Coronavirus getestet. Stationär isoliert in einem Krankenhaus ist außerdem ein 80-jähriger Mann aus dem Kreis Heidenheim.

Im Zollernalbkreis ist eine 25-Jährige positiv getestet worden, die zuvor engen Kontakt mit einem schon bestätigten Fall aus demselben Landkreis hatte.  Im Kreis Sigmaringen ist ein 40 Jahre alter Mann in häuslicher Isolation, der sich zuvor in Südtirol aufgehalten hatte.

Bei einem neuen Fall in Freiburg handelt es sich um einen 58-Jährigen, der ebenfalls in Südtirol gewesen war.

Aus dem Ostalbkreis wurden zwei neue Fälle gemeldet: zwei Frauen im Alter von 38 und 33 Jahren, die Kontaktpersonen eines Infizierten aus demselben Landkreis sind. In Mannheim handelt es sich um eine 1987 geborene Reiserückkehrerin aus Teheran. Auch sie ist in häuslicher Isolation.

(dpa/lsw)

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